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6th Report by Lea Grupe

Lea Grupe in New Orleans, LouisianaLiebe Leserinnen und Leser,

März und April zählen, nach allgemeiner Meinung, zu den schönsten Monaten in Nashville.

Ich kann dem soweit begeistert zustimmen und freue mich auf die noch bevorstehenden, schönen Wochen. Alles steht gerade in Blüte und ein besonderer Blickfang sind die Pfirsich- und Kirschbäume, komplett bedeckt mit kleinen, weißen Blüten. In Deutschland würde man schon die ersten Menschen im Wasser von Freibädern oder Pools sehen, aber hier ist es den Nashvillern mit knapp 30 Grad noch etwas zu kühl. Die kletternden Temperaturen lassen allerdings hoffen.

Neben diesen vorsommerlichen Naturschauspielen, werde ich auch zum Zeugen eines weiteren alljährlichen Events. Aufgrund der sogenannten „March Madness“ (wörtl: die Tollheit des März) hat ein jeder amerikanischer Durchschnittsbürger einen Turniertipp, genannt „Bracket“, nach seinen Annahmen und Voraussagen erstellt. Zentrum dieser neuerlichen Sportverrücktheit ist diesmal nicht Football, sondern das uns altbekannte Basketball. Da lässt es sich gleich besser mitreden. Das aus Collegemannschaften bestehende NCAA -Turnier ist im vollen Gange und die Stimmung steigt äquivalent zu der Zeit, die man vor dem Fernseher verbringt- wenn die Möglichkeit besteht.

Ich bin zurück von meinem Springbreaktrip in New Orleans, Louisiana. Wir waren knapp 20 Studenten inklusive mir und meinem Freund, Markus, der zwei Wochen aus Magdeburg zu Besuch kam. Unterwegs machten wir Halt in Birmingham, Alabama um das Bürgerrechtsmuseum zu besuchen und in Meridian, Mississippi wo wir in einer Kirche übernachten konnten. Zweck dieses einwöchigen Ausflugs war der Wiederaufbau, bzw. Neubau, zerstörter Häuser in den ärmeren Stadtgebieten der Partycity New Orleans. Dies fand genau eine Woche nach der (latein-)amerikanischen Form des Karnevals, Mardi Gras, statt. Die Spuren waren noch klar sichtbar, denn diese Stadt ist die Bekannteste in der Nation, für seine ausgelassenen, alkoholreichen Feste und Paraden zu diesem Anlass. Wichtigster Bestandteil sind die bunten Plastikperlenkettchen, genannt „Beats“, und die glitzerten noch, in Trauben, in den Bäumen. Man kann nur darauf schließen was dort Ende Februar los war, aber jeder Betrachter würde mir vermutlich zustimmen, dass sich Vergleichbares nirgendwo anders abspielen kann als in Amerika. Wir haben Straßentänze gesehen und eine Menge der Woodoo- Zauber-Läden. Die Clubs waren bereits am Mittag gefüllt und mit lauter Musik von Live-Bands beschallt. Das alles bekamen wir aber erst am letzten Tag zu Gesicht, denn die übrige Zeit wurde hart gearbeitet. Wir haben in Gruppen an drei verschiedenen Häusern gearbeitet, je nachdem, ob man z.B. Höhe gut vertrug oder schon ein paar Vorkenntnisse bei einigen Arbeiten hatte. „Mein“ Haus war am Ende fast übergabebereit an den Hausbesitzer und seine Familie. Es war ein großartiges Gefühl den Fortschritt sehen zu können und das geht ganz gut, wenn man in leuchtendem Rot und Gelb die Terrasse, sowie Fenster, Treppen und Türen streicht. Neben der Arbeit nahmen wir uns Zeit die Geschichte unserer Hausbesitzer zu erfahren und es ist sehr bewegend, wenn man aus erster Hand berichtet bekommt, bis zu welcher Treppenstufe das Wasser stand, als sie geflohen sind oder wie der Cousin und Bruder in den Fluten umgekommen sind, weil sie sich geweigert haben den alten Onkel allein zu lassen. Auch bei der Wiederbesiedlung gab es Probleme, ohne eine gerechte Polizeimacht, aufgrund von Schießereien um Besitztümer. Zudem liegt New Orleans in Sumpfgebiet und die Insekten hatten sich bei der Hitze im stehenden Wasser eingenistet und es herrschte Seuchengefahr. Viele Häuser wurden jetzt, vier Jahre nach dem Hurricane immer noch nicht angerührt und man sieht die Kreuze, die außen an den Türen gemacht wurden um anzuzeigen ob und wenn wie viele Leichen dort gefunden wurden. Von all dem hatte ich schon gehört und man hat Bilder gesehen, aber das ist doch anders selbst vor Ort und mehr persönlich betroffen zu sein.

Zurück in Nashville hatte ich noch eine Woche um Markus die Stadt zu zeigen. Das Wetter war größtenteils schön und so besuchten wir den Zoo, was auch mein erster Besuch war, und natürlich ließen wir uns auch musikalisch und kulinarisch nichts entgehen.

Mein Alltag sollte mich nach seinem Abflug allerdings noch nicht zurückbegrüßen, denn nun hatten alle öffentlichen Schulen in Nashville ihre Springbreak und somit auch die PTM – Kids.

Preston Taylor Ministries hat allerdings für diese Zeit ein Alternativprogramm für Jugendliche entwickelt, genannt „Springbreak in the Marketplace“ oder kurz SIMP. Hier bekommen ältere Schüler die Chance ehrenamtliche Helfer auf ihre Arbeit zu begleiten und für einige Stunden die Tätigkeiten der Person zu verfolgen. Oftmals bekommen sie mehr gezeigt als nur das Büro als Arbeitsstelle Einige unserer Schüler haben ihr zukünftiges Traumhaus entworfen, einen eigenen Song komponiert oder waren auf der Spitze eines der Hochhäuser in der Innenstadt, das noch im Bau ist. Für mich war es bisweilen etwas ungewohnt mit Jugendlichen in meiner Altersstufe und knapp darunter zu arbeiten. Wahrscheinlich hat etwas die Distanz gefehlt und es war gar nicht so einfach für mich die richtige Balance als Autoritätsperson und Freundin zu finden. Es war eine gute Erfahrung, allerdings ziehe ich meine Grundschulkinder vor. Sei es nun, weil sie niedlicher aussehen oder mir hilfsbedürftiger erscheinen.

Meine Gastmutter, Burkley, hatte diese Woche Geburtstag und so kam nun am Wochenende spontan die Großfamilie aus Memphis zu Besuch um auch gleich Mary (meine 17-jährige Gastschwester) in ihrem neuesten Theaterstück zu sehen. Ungeplant dabei war der heutige Tornadoalarm, der unseren Wunsch im Garten zu Essen oder pünktlich zum Theaterstück zu erscheinen zu Nichte machte. Wir haben es aber alle heil überstanden und wurden Zeugen eines sehr interessanten Naturschauspiels. Die Temperaturen von über 30Grad sanken erheblich, der Himmel wurde schwarz und man konnte die Wolken aus zwei entgegen gesetzten Richtungen heranjagen und sich überlappen sehen. Es gab Hagel- und Regenschauer, die zum Teil nur im hinteren Garten stattfanden und auf der Terrasse war es geradezu sonnig. Dies alles wechselte sich manchmal innerhalb von Sekunden ab. Wir warteten alle gespannt, ob wir nun gezwungen waren in den Durchbruchkeller Zuflucht zu suchen und waren zwei Mal kurz davor. Letztendlich war aber das Schlimmste was passierte ein kurzer Ausfall des Fernsehers mit der Wetterübertragung. Tornados sind ein normales Vorkommen hier im Frühling und es war ein sehr interessantes Erlebnis. Angst bekommt man nicht, wenn man von Menschen umgeben ist, die an ähnliche Situationen gewohnt sind.

Im April werde ich mit meiner Gastfamilie für ein Wochenende nach Washington D.C. fliegen um meine älteste Gastschwester Sarah zu besuchen. Ich freue mich schon sehr auf die Hauptstadt und lasse bald wieder von mir hören.

Einen schönen Frühlingsanfang auch im noch kalten Deutschland wünscht

Lea

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Kleine Staffelübergabe am 7.8.09 im Stadtpark mit Laura Vibrans und Lea Grupe (v.l.n.r.) (Foto: Georg von der Gablentz)

Tags:

Lea Grupe, Preston Taylor Ministries

Published:

March 30, 2009

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