Sister Cities News
4th Report by Lea Grupe
Es ist soweit: Barack Obama tritt sein Amt als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika an. Die historische Relevanz dieses Ereignisses und all seine Besonderheiten wurden bereits im Vorfeld der Wahlen diskutiert und beherrschen immer noch die internationale Medienlandschaft. Deshalb soll dies nicht das Thema meines Berichts aus den USA sein. Vielmehr möchte ich von der Atmosphäre und der Euphorie berichten, die mich hier alltäglich umgeben.
Ich lebe seit dem 19. August letzten Jahres in Nashville, Tennessee, und hatte die unglaubliche Chance die Präsidentschaftswahlen am 4.November live mitzuerleben.
Mein Aufenthalt wurde mir durch das Deutsch – Amerikanische-Dialogzentrum im Rahmen eines Sozialen Jahres ermöglicht. Ich arbeite für die “Preston Taylor Ministries (PTM)”. Dies ist eine Organisation, die Kindern aus sozial schlechter gestellten Familien ein Nachmittagsprogramm bietet, das unter anderem Unterstützung bei den Hausaufaufgaben und anderen schulischen Problemen umfasst. Die Kinder von 5 bis 15 Jahren haben auch die Möglichkeit, in der Einrichtung zu essen. Alle Kinder sind Afro -Amerikaner und es ist ein mitreißendes Gefühl, das sich während der letzten Monate in dieser Gemeinschaft herausgebildet hat: Der Stolz auf einen Afro-Amerikaner an der Spitze des politischen Systems. Einer aus “ihren” Reihen.
Bereits als ich im Sommer ankam, lag eine unglaubliche Spannung in der Luft. Diese wandelte sich nach der Wahl Obamas in eine selbstverständliche Unterstützung des werdenden Präsidenten. Es scheint, als ob selbst Anhänger der Republikaner, die den Gegenkandidaten Obamas zur Wahl entsandten, nun den gewählten Präsidenten unterstützen. Der Patriotismus in Amerika wird seinem Ruf gerecht, aber nirgendwo konnte und kann man so viel Freude und Aufregung spüren wie in der afro-amerikanischen Bevölkerung.
Die Kinder, die ich betreue, leben zum Teil in sehr schlechten Verhältnissen. Es ist wahrscheinlicher, dass sie im Teenager-Alter schwanger werden oder im Gefängnis enden, als dass sie einen ordentlichen Schulabschluss machen oder gar aufs College gehen. Dessen muss man sich bewusst sein, wenn man die Aufregung um Barack Obama verstehen will: Er ist ihr Idol, derjenige der ihre Träume bereits lebt, der ihnen zeigt, dass ihnen trotz der Umstände ihrer Herkunft alles offen steht.
Wenn man die Kinder nach Obamas Zielen und politischen Ambitionen fragt, könnten sie wahrscheinlich keinen politischen Unterschied zu McCain nennen. Doch das mindert ihre Loyalität nicht im Geringsten. Sie strahlen ein Gefühl der Zugehörigkeit und Verbundenheit zu ihm aus. Sie sind stolz und es ist berührend, diese Kraft (und diesen Glauben) in ihnen zu spüren.
Mir ist das ganze PTM, wie auch die Abläufe dort sehr ans Herz gewachsen. Die Zeit vergeht unheimlich schnell und ich sammle nicht nur Erfahrungen in den “Projects”, den Vierteln meiner Kinder, in denen die Regierung Wohnungen als eine Art Hilfsprojekt zur Verfügung stellt. Ich habe dank meiner Gastfamilie auch viele typisch amerikanische Traditionen miterleben können: den “Labor Day” (Tag der Arbeit), Halloween, Thanksgiving, Weihnachten und Silvester.
All diese Feste waren mir entweder weitgehend unbekannt oder wichen sehr von der gewohnten, deutschen Tradition ab. Ich genieße jeden Tag, denn es gibt immer noch viel zu entdecken, verstehen und zu lernen und ich hoffe, vielleicht etwas zur deutsch – amerikanischen Verständigung beitragen zu können. Ich freue mich aber auch schon, Magdeburg im Juli wiederzusehen und entsende meine herzlichsten Grüße an die Stadt!
Ich bin Georg von der Gablentz, Sprecher des Dialogzentrums, sowie meiner Gastfamilie den Allens, die mich ohne Gegenleistung bei sich wohnen lassen, und auch meinen Eltern für ihre Unterstützung, Rat, Gegenwart und Hilfe unendlich dankbar.
Zuletzt bleibt mir und wohl auch allen Anderen noch zu wünschen, dass Barack Obama die USA diplomatisch und weise führen wird!
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Published:
January 19, 2009
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