Sister Cities News
1st Report by Victoria Weimann
Hallo mein Name ist Victoria Weimann und obwohl von mir auf der offiziellen Seite von Sister Cities bisher nur vereinzelt die Rede war, bin ich mittlerweile seit knapp zwei Monaten zu Besuch in der Partnerstadt von Magdeburg: Nashville.
Ich bin 18 Jahre jung und ehemalige Abiturientin des Ökumenischen Domgymnasiums. Nicht nur für mich ist mein Aufenthalt hier eine neue Erfahrung, sondern auch für Sister Cities, die es mir ermöglichen als dritte Freiwillige hier zu leben und zu arbeiten, wo in den vergangenen Jahren lediglich zwei junge Menschen zur gleichen Zeit im Einsatz waren. Grade deshalb bin ich sehr dankbar für die einmalige Möglichkeit die “musiccity” Nashville und amerikanische Kultur kennenlernen zu dürfen.
Am 2.September bin ich in meinem neuen Zuhause angekommen und wurde von allen Seiten sehr freundlich empfangen. Nachdem mich Doug Berry, Burkley Allen, sowie David Kan (mein Gastvater) und Kelly Kan(mein Gastbaby-8 Monate alt, total niedlich) vom Flughafen abgeholt haben, lernte ich meine Gastmutter Dana Kan erst am Abend kennen.
Im ersten Monat war meine Arbeitssituation noch sehr unklar und die Planung meiner Tätigkeiten für die kommenden neun Monate gestaltete sich schwieriger als gedacht. Denn auch im “Land der unbegrenzten Möglichkeiten” gab es einige bürokratische Hürden zu überwinden und nicht alles was ich gern gemacht hätte liess sich in den Dimensionen die meine Arbeitgeber und ich uns vorgestellt hatten auch durchführen. Mittlerweile hat sich meine Situation verbessert und es hat sich auch für mich ein fester Wochenplan herausgebildet, der es mir erlaubt in verschiedenen Tätigkeitsfeldern im medizinischen und sozialen Bereich Erfahrungen zu sammeln. Auch wenn ich bisher bei dem Versuch meine vollgepackte Woche zu erklären fast nur auf Unverständnis (“Your week is so weird!”) gestossen bin, will ich an dieser Stelle trotzdem den Versuch wagen und sie schildern:
Montags und mittwochs arbeite ich, wie Ex -Zivi Jonas Tonn, im Rahmen eines Praktikums im Forschungsinstitut des Medical Centers der Vanderbilt University. Objekt des Forschungsprojektes, an dem ich beteiligt bin, ist die Disfunktion des menschlichen Blutdrucks. Mittels verschiedener Experimente versuchen wir die Ursachen dieses medizinischen Phänomens zu ermitteln. Ganz herzlichen Dank möchte ich an dieser Stelle Professor Andre Diedrich hinterlassen, dafür das er es mir ermöglicht die Forschungsarbeit hautnah mitzuerleben und teilweise sogar selbst ausführen zu können. Die technisch-medizinische Fachsprache macht dieses Projekt für mich zu einer echten Herausforderung, aber auch zu einer grossen Chance. In kleinen Hausaufgaben, die Professor Diedrich mir regelmässig gibt, bin ich dabei mich mit den Begriffen und Methoden der Forschungsarbeit vertraut zu machen. Ich hoffe auf baldigen Erfolg. Ausserhalb der praktischen Tätigkeit, nehme ich noch an einer Reihe von Vorlesungen und Treffen, um meine Kenntnisse zu fundieren und auszubauen.
Jeden Dienstag verteile ich Snacks, Hygieneartikel, Lesematerial und kleine Spiele,für Kinder und Erwachsene in den Warteräumen des Vanderbilt Hospitals. Die Gespräche mit den Patienten aus unterschiedlichsten sozialen Schichten und mit verschiedenen gesundheitlichen Problemen sind für mich sehr anregend. Die Menschen sind meist sehr offen und gehen ohne Scheu mit Fragen nach dem Weg oder ehrlichem Interesse an mir und meinem Heimatland, auf mich zu.
Den Donnerstag verbringe ich in der kirchlichen Institution “Siloam Family Health Center”.
Das Gesundheitszentrum gewährleistet Menschen, die sich selbst keine Arztbesuche leisten können, medizinische Versorgung.
Unter dem Aufgabenbereich “special projects” helfe ich im Krankenhausbereich beim Ermitteln der Blutdruckwerte unserer Patienten oder beteilige mich im Büro, z. B. bei der Herstellung von medizinischen Infopaketen oder der Medikamentenverpackung. Mehr als 450 freiwillige Helfer helfen jährlich Menschen aus über 89 Nationen in mehr 63 Sprachen mit beeindruckender Fürsorge und Herzlichkeit.
Der Freitag ist in meiner Woche weniger fest geregelt, was mir die Möglichkeit gibt die Arbeitsstellen meiner beiden Mitfreiwilligen Laura Vibrans und Christoph Franke zu besuchen und ihnen bei der Tätigkeit zuzuschauen und zu helfen. Ich hoffe nächsten Monat vielleicht noch über eine weiter Beschäftigungsmöglichkeit berichten zu können, die meine interessante Woche komplettiert.
Eines meiner Highlights in diesem Monat war defintiv das Oktoberfest. Zu früher Stunde traf ich mich mit Christoph, um der Eröffnungsrede von Dr. Rüdiger Koch, unserem Vizebürgermeister, beizuwohnen und um einige “Fünf-Kilometer- Paulaner Bier-Renner” ins langersehnte Ziel kommen zu sehen.
Kurz darauf machten wir uns auf den Weg zu unserem “Sister Cities- Zelt”, welches mit Magdeburg-Flaggen ausdekoriert war und den interessierten Besuchern Informationen über Deutschland und speziell unsere Heimatstadt Magdeburg geben sollte.
Die Begegnung mit einigen Exildeutschen, die nun schon seit vielen Jahren in Nasville leben, war für mich eine besondere Möglichkeit Erfahrungen vermittelt zu bekommen und auszutauschen. Einen weiteren Höhepunkt bildete die Eröffnung des Magdeburg Greenway im Rahmen des Festes, der nun durch den Nashviller Morgan Park führt. Dieser soll an die Partnerschaft zwischen Amerika und Deutschland, speziell von Magdeburg und Nashville, erinnern. Durch seine gut gewählte Lage, in der Nähe des Stadtviertel Germantown, gibt er den vielen deutschstämmigen Bürgern die Möglichkeit täglich ein Stückchen Deutschland in ihrer neuen Heimat zu erleben.
Meine Gastfamilie war auch sehr interessiert und stattete mir gegen Mittag einen kleinen Besuch ab. Gemeinsam liessen wir uns Bratwurst mit Sauerkraut schmecken, die fast original deutsche Spitzenqualitaet aufwies. Während wir gemeinsam über das Fest schlenderten und die verschiedensten Dirndl und Lederhosen begutachteten, kam doch ein wenig Heimatgefühl auf.
Am Nachmittag machte ich mich zur Downtown-Bibliothek auf, um mir das Stück “Oscar and the Lady in Pink” des Magdeburger Puppentheater anzuschauen. Obwohl für Kinder gemacht, regte das Stück zum Nachdenken an- besonders beeindruckend, da es nur von einer einzigen Frau gespielt wurde. Schön war auch zu sehen, dass ein deutsches Stück, was in Englisch übersetzt wurde, so viele Kinder aus Nashville anlocken konnte.
Rückblickend war der 10. Oktober ein vollends gelungener Tag für mich.
Zwei Wochen später bot sich mir die Möglichkeit mit der Kirchengruppe PSF (Presbyterian Student Fellowship) nach Memphis zu fahren. Die jungen Menschen, meist Studenten sind sehr offen und herzlich, so dass ich schnell Anschluss finden konnte.
Während des verlägerten Wochenendes in Memphis haben wir soziale Aktivitäten durchgeführt, wie z.B. an bedürftige Menschen Essen verteilt oder wir haben mit Obdachtlosen abends in der Kirche zusammen gegessen. Das waren ganz neue, teilweise harte Erfahrungen für mich, die mir gezeigt haben, wie gut es einem doch selbst geht.
Auch aus kultureller und historischer Sicht hatte die Stadt einiges zu bieten. Im legendären Sunstudio konnte ich am gleichen Mikrofon stehen, wie seinerzeit schon Elvis Presley und im Civil Rights Museum gab es den Balkon zu beschauen, auf dem Dr. Martin Luther King erschossen wurde. Lohnenswert noch eine zweite Grossstadt in Tennessee kennenzulernen!
Nach bereits fast zwei Monaten in den Vereinigten Staaten, vermisse ich trotz der beinah unbegrenzten Konsummöglichkeiten doch einiges an Zuhause (wie zum Beispiel die deutschen Vorreiter auf dem Gebiet der Schokoladenproduktion Milka und Rittersport). Aber langweilig wird es mir, dank meiner lieben Gastfamilie und der offenen amerikanischen Mentalität, so gut wie nie.
Ich denke ich konnte einen ganz guten Eindruck von meiner persönlichen Lebens- und Erfahrungswelt geben und erwarte jetzt schon ganz gespannt die nächsten Wochen mit traditionell amerikanischen Festtagen wie Halloween und Thanksgiving, von denen ich das nächste Mal berichten werde.
Ganz liebe herbstliche Grüße aus Nashville
Victoria
Media Center:
Published:
November 11, 2009
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