Sister Cities News
1st Report by Christoph Franke
„How are you doing“ aus Nashville.
Mein Name ist Christoph Franke. Ich bin 18 Jahre jung und habe dieses Jahr meine Schulkarriere mit dem Abschluss des Abiturs beendet. Glücklicherweise wurde mir die Chance gewährt meinen “Anderen Dienst “in Magdeburgs Partnerstadt Nashville/TN abzuleisten. Der „Andere Dienst im Ausland“ ist eine großartige Sache für mich, da ich Amerika jetzt selbst hautnah erleben kann.
Wie alles meine fünf Vorgänger arbeite ich im Martha O` Bryan Center (kurz M.O.B.). Das Center ist eine karitative Einrichtung, die den hilfsbedürftigen Menschen in allen Lebenslagen hilft. So gibt es das Projekt „Meals on Weels“, was armen oder behinderten Menschen ein ausgewogenes Mittagessen ermöglicht. In der „Food Bank“ werden Nahrungsmittel von Supermärkten bereitgestellt, die dann wiederum an die Menschen verteilt werden. Desweiteren werden Kinder vom Baby- bis zum Highschoolalter betreut und Erwachsen wird die Chance auf eine besser Zukunft gegeben. Der Gegensatz von arm und reich ist mir in meinem Leben noch nie so persönlich begegnet wie hier und ich freue mich, durch meine soziale Arbeit einen kleinen Beitrag leisten zu können.
Wie die Zeit vergeht: Anfang Februar saß ich noch mit Georg von der Gablentz im „Cafe´ Ebel“in Stadtfeld, wo er mir schilderte, was alles auf mich zu kommt und jetzt bin ich mittendrin in dem Abenteuer.
Mein Flug verlief eigentlich reibungslos, nur das Umsteigen in Chicago erwies sich als äußerst schwierig. Der zweistündige Aufenthalt war geprägt von purem Stress (Einreiseformalitäten, Zoll etc.). Doch als ich dann endlich nach 13 Stunden Flug, mit offenen Armen und deutschen Worten von Wade Punch (meinem Gastvater) und Doug Berry empfangen wurde, legte sich die Anspannung und ich war einfach happy.
Die ersten Tage in Nashville waren spannend aber auch anstrengend. Ich musste mich erstmal an die siebenstündige Zeitumstellung, an die hohe Luftfeuchtigkeit, an die hohen Temperaturunterschiede zwischen „drinnen“ und „draußen“ gewöhnen. Bei den Erkundungstouren mit Wade wurde mir erstmal bewusst, dass Amerika das absolute Gegenstück zu Deutschland ist. Natürlich wusste ich bereits vorher, dass etwas völlig anderes auf mich warten, aber muss das alles soviel größer sein muss?! Die Straßen, Autos, Häuser, selbst das Benzin kann man nur in Gallone (3,78 Liter) kaufen.
Nach kurzer Eingewöhnungsphase fing ich dann an zu arbeiten. An meinem ersten Arbeitstag wurde ich von meiner Chefin Judy Gaither erst einmal durch das Objekt geführt, während dessen habe ich erste Bekanntschaften mit den Mitarbeitern des M.O.B. gemacht. Ich muss hier an dieser Stelle ein Kompliment loswerden: Ich wurde sehr offen und unkompliziert aufgenommen, so dass die erste Aufregung gleich verflog.
Ich muss gestehen, die ersten zwei Wochen etwas langatmig, da die Kids noch Ferien hatten und mir es an Beschäftigung fehlte. Doch inzwischen habe ich einen geregelten Arbeitsalltag und weiß manchmal vor lauter Stress gar nicht, wann ich noch Mittag essen soll. Die Arbeit macht aber gerade deshalb so viel Spaß. Vormittags liefere ich Essen aus, danach werde um 13.30 Uhr in der „Food Bank“ benötigt. Ab 15.00 Uhr bin ich dann für die Elementry-, Middel- und Highschoolkids da. Erst bereite ich einen kleinen Snack vor, dann helfe ich bei Hausaufgaben, spiele mit ihnen oder erledige sonstige Dinge, die so anfallen.
Aber meine „Lieblinge“ sind die Babys. Ich wusste bisher gar nicht wie liebenswürdig so ein kleiner Mensch sein kann. Ich nutze jede freie Minute, um bei ihnen vorbeischauen zu können.
Neben der Arbeit bleibt aber noch Zeit für andere Dinge: Ich habe z.B ein Bluegrass Konzert besucht. Mir wurde aber schnell klar, dass Countrymusik keine Leidenschaft von mir wird. Außerdem war ich bei einem Sister Cities Stammtisch, wo mir bewusst wurde, dass diese Menschen eine großartige Arbeit leisten. Ich bin stolz ein Teil der Community zu sein. Für ein Wochenende war ich in Indianapolis. Wir sind dort im Großen und Ganzen nur Fahrrad gefahren, weil es dort, im Gegensatz zu Nashville, genügend Radwege gibt. Dort habe ich Wade dann richtig kennen gelernt. Sehr sportlicher und lustiger Mensch. Ich möchte ihm für seine Gastfreundschaft und Hilfe danken, er kümmert sich herzlich um mich und hilft, wo er nur kann.
Selbst in peinlichen Momenten (ich bin mit meinem Auto ohne Sprit liegen geblieben) behält er einen klaren Kopf und hat mir aus der Patsche geholfen. Ich hatte einfach den megamäßigen Benzinverbrauch meines Autos unterschätzt. Kein Vergleich zu unseren sparsamen Fahrzeugen in Deutschland!
Am Wochenende danach wurde ich, zusammen mit Burkley, zwei weiteren Erwachsen und sechs Jugendlichen aus ihrer Kirche, Teil eines Typisch amerikanischen Abenteuers: Whitewater Rafting am Ocoee River. Sechs Leute sitzen zusammen in einer Art Schlauchboot und lassen sich flussabwärts durch das „wilde“ Wasser jagen. Für mich ein absolutes Highlight. Abends saßen wir dann vor dem Lagerfeuer, haben Marshmellows gegrillt und uns unterhalten.
Ansonsten versuche ich mich mit Sport fit zuhalten. Wenn ich es schaffe, gehe ich dreimal in der Woche ins Fitnessstudio und spiele jeden Sonntag mit einigen Fußballbegeisterten Soccer.
Das soll es für´s erste gewesen sein. Die Zeit vergeht hier unglaublich schnell. Mittlerweile ist auch Laura Vibrans in Nashville eingetroffen und ich freue mich, etwas wie „Heimat“ hier in der Ferne zu haben. Auch wenn ich überraschenderweise keine großen Probleme mit der Verständigung habe, ist es doch auch mal ganz schön noch ein Wörtchen Deutsch zu sprechen.
Zum Schluss noch eine kleine Metapher: Meine Situation hier ist vergleichbar mit der eines Rehkitz. In den ersten Wochen ist es sehr unbeholfen und stark auf seine Mutter angewiesen. Doch nach kurzer Eingewöhnungsphase auf dieser Welt fängt es langsam an seine Umgebung zu erkunden und Gefallen daran zu finden.
Liebste Grüße aus dem grünen Nashville
Christoph
Media Center:
Published:
September 15, 2009
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lieber christoph,
ich bin die Mutter von Laura, habe schon viel von Dir gehört und freue mich, dass Du so viel mit Laura unternimmst. Schön, dass Ihr Euch so gut versteht, das ist für uns Eltern sehr beruhigend.
Vielen Dank für Deinen zu Herzen gehenden Bericht. Du hast einen sehr lebendigen Einblick in Dein derzeitiges Leben gegeben. Jetzt werde ich mal schauen, ob unsere Tochter nun ach schon etwas zu Papier gebracht hat.
Liebe Grüße nach Nashville
Christiane Vibrans
Tuesday September 22nd, 2009 @ 03:54 PM
[...] 1. Bericht von Christoph Franke [...]
Thursday September 17th, 2009 @ 07:02 AM