Bill Purcell Special
Interview mit Bill Purcell, Bürgermeister von Nashville
Herr Bürgermeister, Nashville feiert am 1. Oktober 2006 seinen 200. Geburtstag. Was erwartet Ihre Gäste bei den Feierlichkeiten unter dem Motto: „Celebrate Nashville“?
„Celebrate Nashville“ wird ein neun Monate dauerndes Festprogramm sein, in welchem wir alle die Dinge feiern werden, die Nashville zu einer so großartigen Stadt machen, angefangen von den Stadtteilgemeinschaften bis hin zur berühmten Grand Ole Opry. Die Festveranstaltungen werden mit der Einweihung des Public Square vor unserem historischen Gerichtsgebäude am 1. Oktober beginnen und werden sich fortsetzen bis hin zum jährlichen Konzert und Feuerwerk zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli im Riverfront Park am Ufer des Cumberland. Ich hoffe sehr, dass Magdeburg und unsere anderen Partnerstädte mit uns die besondere Partnerschaft, die uns verbindet, feiern werden als Teil unseres „Celebrate Nashville“ Festprogramms.
Sie gelten von Anfang an als großer Freund und Förderer Magdeburgs und der Städtepartnerschaft. Wie schätzen Sie die Entwicklung der Partnerschaft ein und wie sehen Sie deren Zukunft?
Die Beziehungen zwischen Magdeburg und Nashville gestalten sich ideal, von der Basisarbeit der Partnerschaftskomitees bis hin zu unseren Rathausspitzen. Diese haben den Austausch von Ideen und Interessen seit den Anfängen, die erst vier Jahre zurückliegen, einbezogen. Heute hängen die Magdeburger Halbkugeln im Adventure Science Center zur Erinnerung an unsere Partnerschaft und die Geschichte beider Städte. Ich bin zuversichtlich, dass die ersten wichtigen Schritte zur Festigung dieser Beziehung sich in der Zukunft erweitern werden, um auch größere wirtschaftliche und touristische Möglichkeiten und Chancen für unsere beiden Städte mit einzubeziehen.
Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Partnerstadt Magdeburg, in der Sie in den letzten Jahren mit so vielen Menschen aus unterschiedlichen Anlässen zusammengekommen sind?
Gerne denke ich an die freundliche Offenheit und Begeisterung der Magdeburger während meiner Besuche ebenso auch, wenn ich Abordnungen in Nashville begrüßt habe. Diese Einstellungen haben wir, so glaube ich, gemeinsam.
Seit drei Jahren gibt es das zweisprachige Internetportal www.magdeburg-nashville.com. Sind Sie persönlich „user“ dieser Seite und welche Bedeutung hat sie aus Ihrer Sicht für den Dialog zwischen den Menschen beider Städte?
Ich benutze tatsächlich selber die Website, um mich über die Aktivitäten in Magdeburg zu informieren. Es ist die beste Website, die ich je gesehen habe, und sie zeigt uns die großen Fortschritte, die wir schon zusammen gemacht haben.
Mit grossem Interesse wurde in Magdeburg aufgenommen, dass es einen „Magdeburg Greenway“ in Nashvilles Stadtteil „Germantown“ geben wird. Welche Bedeutung hat das „Greenway“-Projekt für die Stadt Nashville?
Die „Greenway“-Erweiterung ist ein Teil der Lebensqualität in Nashville, mit der wir uns Platz eins auf Kiplinger’s Liste von 50 Smart Cities („Schlauen Städte“) gesichert haben hinsichtlich Bezahlbarkeit und Wohnqualität. Die Greenways verbinden die Stadtteile und ihre Menschen quer durch die Stadt in einer recht persönlichen Weise miteinander. Die Menschen fahren mit dem Fahrrad, laufen, treiben Sport und erholen sich auf unseren Greenways. Der Greenway im Stadtteil Germantown erinnert uns an Nashvilles historische Verbindungen mit Deutschland sowohl mit Blick auf die Immigranten in der Vergangenheit als auch mit Blick auf unsere Partnerstadt für die Zukunft.
Seit 2003 ist ein Magdeburger Halbkugelpaar im Adventure Science Museum von Nashville zu sehen, das eine schon abenteuerliche Reise von Magdeburg hatte. Im Rahmen der „Magdeburger Kulturwoche“ wurde dann 2004 der grosse Halbkugelversuch in Nashville vorgeführt. Welche Geschichte haben Sie dabei besonders vor Augen?
Die Durchführung des Großen Halbkugelversuchs war ein ganz besonderes Ereignis in unserer Partnerstadtbeziehung. Hierdurch konnten die Menschen in Nashville quasi als Augenzeugen an einem Teil der Magdeburger Geschichte teilnehmen, die wiederum ein Teil der gemeinsamen Wissenschaftsgeschichte ist, die wir teilen. Eine Geschichte am Rande jenes Ereignisses war die Frage, ob es besser sei, zur Durchführung unsere Tennessee Maultiere zu nehmen oder Pferde. Schließlich wurde entschieden, den historischen Vorgaben zu folgen und entsprechende Pferde für den Anlass zu finden.
Sie kennen die ‚Strandbar’ an der „Nashvillepromenade“ in Magdeburg. Was halten Sie von der Idee einer Beach Bar am Cumberland River in Nashville?
Meine Frau erinnert mich oft daran, dass es am Strand keine schlechten Tage gibt, und die Strandbar an der Nashvillepromenade ist schon ein besonderer Ort. Hier in Nashville haben wir das Glück, an den Seen von Percy Priest und Old Hickory einige Strände zu haben. Dennoch: einen Innenstadtstrand zu haben wie Paris oder Magdeburg ist eine Sache, der man durchaus nacheifern sollte.
Im September dieses Jahres feiert das Deutsch-Amerikanische Dialogzentrum, dessen Ehrenmitglied Sie sind, seinen 6. Geburtstag. Was verbindet Sie persönlich mit dem Dialogzentrum und welche Perspektiven sehen Sie für die Zukunft?
Das Dialogzentrum ist einer der besonderen Orte der Hoffnung in unserer Welt und gibt uns die Bestätigung, dass unsere Verbindungen und Verständnis nicht nur erbaulich für die Mitglieder sind, sondern gleichzeitig dafür sorgen, dass die Welt besser und sicherer wird.
Haben Sie einen ganz persönlichen Wunsch für die Städtepartnerschaft Magdeburg-Nashville?
Während der 1200-Jahr-Feier in vergangenen Jahr gab ich meiner Hoffnung Ausdruck, dass wir in 1000 Jahren Feierlichkeiten haben würden, die denen in Magdeburg gleichkommen – und so ist es mein Wunsch, dass wir in tausend Jahren noch voneinander lernen werden und lehren und uns mit unseren Freunden in unseren Städten gegenseitig erbauen werden, in zwei Städten, die dann auch weiterhin bekannt sein werden als zwei der besten Orte in der Welt um zu leben, zu arbeiten und eine Familie zu gründen.
Interview: Georg von der Gablentz
Übersetzung: Stephen G. Stehli
Foto: Ronny Hartmann
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