Johannes Peter Müller in Nashville
Johannes Peter Müller ist Dienstleistender für den Anderen Dienst im Ausland im Martha O´Brian Center
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Ich möchte nun über meine ersten Wochen in Amerika berichten.
Mein Name ist Johannes Peter Müller und ich komme aus Magdeburg-Cracau. Ich bin ausgewählt worden, meinen "Anderen Dienst" in Nashville/ Tennessee abzuleisten.
Hier also meine ersten Eindrücke von Nashville:
Wenn Sie am Flughafen ankommen, werden Sie vermutlich denken: "Komisch, sieht doch alles gar nicht so anders aus als zu Hause." Aber dann werden Sie in den nächsten 3 Tagen bemerken, dass es einen Riesenunterschied zwischen den Staaten und Deutschland gibt.
Zuerst einmal muss ich erwähnen, dass es hier in den USA eine 2-Klassengesellschaft gibt. Das heißt, dass es viele sehr reiche Menschen, viele sehr arme Menschen und dazwischen es kaum noch "Normalverdiener" gibt. Ich möchte die Frage nach dem besseren System mal dahingestellt lassen. Ich berichte gerade, ob Sie's glauben oder nicht, über ein sehr schweres Thema, denn alle meine Eindrücke zu schildern, fällt mir hier nicht leicht. Hier in Nashville ist alles doppelt so groß, doppelt so prunkvoll und doppelt so freundlich (Man sagt hier nicht um sonst "Welcome in the land of customer service"). Das einzige, was hier vergleichbar schlechter ist, ist das öffentliche Verkehrsmittelsystem und die Straßenqualität. Aber Gebäude sind höher, größer und eindrucksvoller, Straßen sind größer und breiter und die Polizei greift hier zwangsweise härter durch.
Und damit komme ich zu den "projects", den Ghettos! Projects sind hier eine komplett andere Welt! Ich fühle mich nach wie vor immer, wenn ich zur Arbeit um die Kurve ins Ghetto fahre, als ob ich gerade eine Tour zu einer anderen Welt durchquere. Im Ghetto herrschen eigene Regeln und ein ganz anderer Lifestyle als im Rest von Nashville. Wir haben hier zwei Ghettos: Eines in "East Nashville", in welchem ich arbeite und eines in "North Nashville", welches etwas kleiner ist als das Project in East Nashville. Meine ersten Eindrücke von diesem Teil von Nashville sind enorm. Es gibt hier sehr viele arme Menschen, die in Häusern wohnen, die einer privaten Organisation gehören. Dass diese Häuser nicht öffentlich sind, hat den Grund, dass es schwer ist, jemanden der z.B. Drogen verkauft, aus dem Haus herauszubekommen. Wenn sich das Haus jedoch in Privatbesitz befindet, ist es keine Schwierigkeit mehr, jemand aus den Haus und/oder dem Ghetto zu verweisen.
Mein Eindruck von meinem Arbeitsplatz, dem Martha O`Bryan Center, ist der Folgende. Da das Center geografisch im Herzen des Projects liegt, ist es für die Menschen, die hier leben, wie eine Oase der Hoffnung auf Besserung. Es ist unglaublich, was man hier mit den einfachsten Mitteln bewegen kann! Ich selbst hatte ein sehr schönes, beispielhaftes Erlebnis: Als ich an einem Montagnachmittag mit unseren Highschool- Kindern über Schule und deren Wichtigkeit diskutiert habe, bemerkten die Jugendlichen sehr schnell, dass "Schule -schwänzen" eben nicht cool, sondern dumm ist, da es sie früher oder später in Form von Bildungslücken und Unwissenheit einholt. Einige von Ihnen mögen jetzt denken: "Warum sollten die denn zur Schule gehen?" und ich kann ihnen gerne eine Antwort geben: Der größte Wunsch eines Jeden hier ist es eindeutig, aus dem Ghetto herauszukommen und ein gutes Leben zu führen. Aber wie soll dies funktionieren, wenn man durch eben dieses "Schule -schwänzen" nicht qualifiziert genug ist, um einen guten Job auszuführen?! Aber um zurück zu meinem Beispiel zu kommen: Am nächsten Tag, als ich morgens zur Arbeit gekommen bin, haben mich zwei unserer notorischen Schulschwänzer angehalten, um mir mitzuteilen, dass sie durch unsere Diskussion am Vortag zu dem Schluss gekommen sind, wieder zur Schule zu gehen! Und, "by the way", die Jungs sind gar nicht so schlecht wie sie dachten!!!
Eine völlig andere Bedrohung hier sind die Gangs die versuchen, ihre Regeln und Kleidungsarten als Standard in den Alltag zu bringen und zwar mit einem Mittel: Gewalt!!! Was mich sehr erschreckt: Gang- Schießereien sind hier an der Tagesordnung, Drogen regieren dieses Viertel, und die Armut und die fehlende Bildung Vieler frisst die Hoffnung der Menschen hier Tag für Tag ein wenig mehr! Menschen hier brauchen wirklich Hilfe, welches mich zu einem anderen Eindruck bringt. Die Menschen hier sind wesentlich hilfsbereiter als wir in Deutschland, so dass es im Center von Freiwilligen nur so wimmelt. Ob es Studenten sind oder Rentner, Geschäftsmänner oder Profi- Footballspieler. Keiner ist zu beschäftigt oder zu wichtig, um in das Ghetto zu kommen und zu helfen, wo man kann, was ich sehr schätze.
Was mir, während ich diesen Bericht lese, auffällt, ist: Sie werden sich vermutlich fragen, wie ich hier kommunizieren kann. Die Antwort ist: "learning by doing !" Da wir in den deutschen Schulen Oxford-Englisch lernen, kann man dieses Wissen nur als Grundstein der Kommunikation verwenden. Da zwischen britischem Englisch und amerikanischem Englisch ein riesiger Unterschied besteht. Aber da man ja hier in den USA ist, und 24 Stunden am Tag american-Englisch hört, liest, redet und schreibt, geht es relativ schnell, auf einem zur Kommunikation notwendigem Level anzukommen. Ab dann geht's nur noch bergauf mit dem Sprachgebrauch!!!!
Viele Grüße aus dem wunderbaren Nashville,
I'm happy to be here!
Johannes













