Sister Cities News
8. Bericht von Christoph Franke
Das Abenteuer „Anderer Dienst im Ausland“ ist mittlerweile schon seit mehreren Wochen vorbei und so kann ich, mit etwas Abstand und Melancholie, darauf zurückblicken.
Eigentlich war mein 8. Bericht, in dem ich von der verheerende Flut in Nashville, die Abschlussfeier von Maddie und die letzten Wochen der Schulzeit berichten wollte, schon für Juni geplant, doch es sollte anders kommen.
Bedauerlicherweise wurde mein Notebook (inklusiv des letzten 8. Berichtes) direkt aus der „Food Bank“ gestohlen. Aller Vermutung nach, war es ein junger Mann aus der Nachbarschaft. Trotz sofortiger Anzeige bei der Polizei und intensiver Suche blieb die Sache bis heute erfolglos.
Meine letzten Wochen in Nashville fühlten sich an wie ein Traum, nur hatte ich keine Lust daraus aufzuwachen. Ich war glücklich, noch einmal Zeit mit meiner Gastfamilie, meinen Arbeitskollegen, den Kindern und meinen Freunden verbringen zu dürfen. Doch je näher der Abschied rückte, umso mehr Wehmut mischte sich unter die Heiterkeit. Auf einmal war alles, was so fern schien, plötzlich Gegenwart.
Als dann der Abschied gekommen war und ich realisieren musste, dass ich aus meinem Traum erwacht bin, spielte alles in mir verrückt. Einerseits fiel es mir schwer, good bye zu sagen, andererseits war ich froh, so viele tolle Bekanntschaften geschlossen und stolz das Jahr bewältigt zu haben.
Überraschenderweise musste ich dann doch nur einmal weinen.
Als ich im Flieger in Richtung Deutschland saß und sich das kleine Flugzeug auf dem Bordbildschirm immer mehr von Amerika entfernte, spielte sich ein Film in meinem Kopf ab. Kaum zu glauben, aber knapp elf Monate zuvor flog ich mit all meinen Erwartungen, Hoffnungen aber auch Ängsten in die entgegengesetzte Richtung.
Zurück in Magdeburg, fiel mir meine veränderte Sichtweise auf. Nicht die Heimat hatte sich gewandelt, sondern mein persönlicher Blickwinkel hatte sich verändert. Wer sich in einer fremden Sprache, einer fremden Kultur, in fremden Denkgewohnheiten bewegt, ändert die Sicht auf sich selbst und andere. Er sieht das eigene Land in einem anderen Licht. Sei es positiver oder negativer, jedenfalls mit einem schärferen Blick.
Ich hatte in Nashville eine unvergessliche Zeit, in der ich Erfahrungen machen und viele Eindrücke sammeln konnte. Aber vor allem lernte ich viel und konnte meinen Horizont erweitern.
So weiß ich jetzt, dass die Amerikaner sehr offenherzige Menschen mit einem tollen Sinn für Humor sind und längst nicht jeder Fast Food zu seinem favourite dish zählt.
Ich konnte viele Vorurteile aus dem Weg räumen und doch einige stehen lassen. Das Jahr hat mir die Augen für Neues geöffnet und mich für mein Leben geprägt. Dafür bin ich sehr dankbar.
All die grandiosen Augenblicke wären ohne den unermüdlichen Einsatz vieler Menschen nicht möglich gewesen.
Deshalb möchte ich mich zunächst beim Deutsch- Amerikanischen Dialogzentrum, insbesondere bei Georg von der Gablentz bedanken. Ich war der sechste Zivildienstleistende, der als Botschafter Magdeburgs die Ehre hatte, an der Aufrechterhaltung der Beziehungen der Städtepartnerschaft mitzuwirken. Georg war es, der in mir bei unserem ersten Treffen im Café „Ebel“ die Begeisterung für diese Art von Zivildienst weckte.
Einen Dank möchte ich auch „Sister Cities“ aussprechen. Ich war überwältigt, mit wie viel Engagement und Herzblut die freiwilligen Mitglieder arbeiten. Ein besonderer Dank geht an Burkley Allen (Vizepräsidentin von Sister Cities) und Wade Punch (mein erster Gastvater), die mir vor allem in den ersten Wochen mit Rat und Tat zur Seite standen und mir damit die Umstellung erleichterten.
Vielen Dank allen Kolleginnen und Kollegen, meiner Chefin Debbie Holley aus dem MOB-Center.
An dieser Stelle auch ein Dankeschön an meine Eltern, die mir diesen Aufenthalt finanziell ermöglicht haben. Ich danke euch auch für die seelische Unterstützung an mal nicht so sonnigen Tagen.
Doch das größte Dankeschön verdient meine Gastfamilie, die vier Sheesleys. Ich war selbst überrascht, wie nah wir uns nach acht Monaten standen. Außerdem finde ich es nicht selbstverständlich, nach einer der stärksten Rezessionen, einen deutschen Gast aufzunehmen und ihn wie das eigene Kind zu behandeln.
Davor zolle ich großen Respekt und kann mich gar nicht oft genug bedanken. Thank you so much Katy, Ken, Maddie und Buck !!!
Danke auch an all diejenigen, die ich an dieser Stelle namentlich nicht erwähnt habe.
I thank my host parents, Burkley Allen, Wade Punch and my loyally colleagues from the Martha O´ Bryan Center.
I am really grateful for everything I have learned during the last year. There could not be a better place fulfilling the civil service obligation than Nashville.
Auf Wiedersehen! Good bye!
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Veröffentlicht:
16. August 2010
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