Sister Cities News
5. Bericht von Jonas Tonn
“Ich fühle mich wie eine Amerikanerin, aber in meinem Herzen bin ich Deutsche.” Frohe Weihnachten Magdeburg!
Mein Name ist Jonas Tonn, 18 Jahre alt und ehemaliger Abiturient am Norbertusgymnasium. Seit mittlerweile fünf Monaten leiste ich in Magdeburgs amerikanischer Partnerstadt Nashville meinen Zivildienst ab. Ich bin nunmehr der fünfte Dienstleistende, der vom “Deutsch-Amerikanische Dialogzentrum” und “Sister Cities of Nashville” die Möglichkeit bekam, elf Monate in einer karikativen Einrichtung zu arbeiten.
Die Zahl der Magdeburger, die in unserer Partnerstadt leben, lassen sich wenn überhaupt an einer Hand abzählen. Dass ich unter den über 600,000 Einwohnern dieser Stadt auf eine gebürtige Magdeburgerin traf, ist wohl Schicksal!
“Ich liebe Amerika und fühle mich wie eine Amerikanerin, aber ich bin stolz auf meine Herkunft und in meinem Herzen bin ich Deutsche.”, so ließ die 81-jährige Ruth Smith den Vortrag über ihre Lebensgeschichte vor der kleinen Kirchengemeinde in Nashville ausklingen. Der Frau, die sonst immer ein Lächeln auf den Lippen hat, rollt bei diesem Satz eine Träne über die Wange.
Ruth wurde am 10.05.1927 in Magdeburg geboren und wuchs im Stadtteil Groß-Ottersleben auf. Wie viele andere Magdeburger musste sie miterleben, wie ihre Heimatstadt am 16. Januar 1945 durch Bombenangriffe zerstört wurde. Nach dem Krieg verließ sie, besorgt um ihre Zukunft in der sowjetischen Besatzungszone, Magdeburg in Richtung Kassel. In den von den Amerikanern kontrollierten Sektor, lernte sie einen Soldaten kennen, der er ihr spätere Ehemann wurde. Ihr eröffnete sich die Möglichkeit, fernab vom kriegszerstörten Deutschland, ein neues Leben in den USA zu beginnen. Doch so reibungslos sollte ihre Auswanderung nicht verlaufen: Kurz nachdem ihr Mann in die USA vorgereist war, gestand dieser ihr in einem Brief, dass er eine neue Frau kennengelernt habe. Trotz aller Bedenken verließ sie dennoch im November 1949 allein das Land. “Ich dachte mir, du hast nichts zu verlieren.”, so die 81-jährige.
Als 22 jährige Frau in einem völlig fremden Land ohne Bekannte und Familie schaffte sie es, unter großen Anstrengungen, sich ein neues Leben aufzubauen. Ihre Reise brachte sie von der Ostküste(Baltimore) über den Mittleren Westen(Iowa, Kansas, Missouri) und schließlich in den Süden, nach Nashville/Tennesse. Dort brachte uns dann auch das Schicksal zusammen, als ich sie auf dem “Oktoberfest” in Nashville traf. Wie sehr sie noch an ihrer Heimat hängt, merkte ich als sie mir völlig unangekündigt eine feste Umarmung gab, nachdem sie erfuhr, dass ich aus Magdeburg bin. “Selbst nach den fast 60 Jahren, die ich hier schon lebe habe ich oft noch Heimweh”, sagte Ruth mit traurigen Augen. Dennoch ist Ruths Meinung zweigeteilt zu Ihrer Geschichte: “Manchmal bereute ich Deutschland und meine ganze Vergangenheit hinter mir gelassen zu haben, aber die schrecklichen Umstände nach dem Krieg haben mich dazu gezwungen.”
Dennoch ist sie die Frau Smith die gelebte Deutsch-Amerikanische Freundschaft, vom Kopf her Amerikanerin und “im Herzen Deutsche”.
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Veröffentlicht:
12. Dezember 2008
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