Sister Cities News
5. Bericht von Christoph Pross
Nun bin ich bereits wieder 5 Wochen in den USA und es ist Zeit für einen neuen „Brief aus Nashville“ in meine Heimat.
Ich denke gerade an unsere sehr unterschiedlichen Tagestemperaturen. Vor ein paar Tagen habe ich mit kurzer Hose und T-Shirt in der Hängematte gelegen und ein gutes Buch gelesen, als meine Eltern anriefen und mir von minus 10 Grad Celsius und einer teilweise zugefrorenen Elbe berichteten.
Ich war schon ziemlich unentschlossen, ob ich mich über die Temperaturen vor Ort freuen sollte oder wünschte ich mir nicht doch eine Verlängerung meiner Winterstippvisite zum Jahreswechsel in Deutschland bei meiner Familie ?
Bereits am 4. Januar kehrte ich nach Nashville zurück. Am Abend meiner Ankunft habe ich mit meiner Gastfamilie ein wenig „Weihnachten nachgefeiert“. Wir tauschten unsere Geschenke aus und meine Gastfamilie erzählte mir von Weihnachten in Florida mit Strand, Baden gehen, Schnorcheln u.s.w., jedenfalls so ganz anders als meine letzten Tage gewesen waren – mit Minusgraden, Schneeballschlachten, kalten Kirchen – gefüllt mit herzenswarmen Menschen.
Nachdem ich meinen Jetlag überwunden hatte, trat ich meinen Dienst im Martha O`Bryan Center wieder an. Ich freute mich sehr die Kinder wiederzusehen und es war schön zu hören, dass auch sie ein schönes Weihnachtsfest verbracht hatten. Es tat gut zu hören, dass auch sie mich vermisst hatten. Als ich Ihnen vom Schnee erzählte, konnten sie es sich teilweise schwer vorstellen und erklärten einhellig, dass sie mich in Deutschland besuchen wollen, damit wir eine große Schneeballschlacht machen können.
Neben meiner Arbeit im Martha O’Bryan Center versuche ich auch im neuen Jahr möglichst viel von meinem Gastland zu erfahren. So unternahm ich mit Freunden einen Trip nach Atlanta, 4 Autostunden von Nashville entfernt. Atlanta ist eine riesige Metropole mit Highwaykreuzungen und 5 mehrspurigen Fahrbahnen übereinander. Somit lernte ich den neuen Begriff Spagetti-Kreuzung kennen. Nachdem wir den schrecklichen Verkehr hinter uns gelassen hatten, konnte ich in zwei Tagen das Jimmy Carter Center, das Coca-Cola-Museum und das CNN-Center besuchen und Downtown Atlanta mit seinen riesigen Malls besichtigen.
Ein weiteres Highlight für mich war auch der Besuch der weltberühmten Grand Old Opry. Country Musik pur! Nashville ist Zentrum der Country Musik und wird deshalb auch Musik City, USA genannt. Zahlreiche Musikverlage und Plattenfirmen residieren in Nashville, von hier wird seit 1925 die Show Grand Old Opry übertragen, das älteste noch existierende Radio-Musikprogramm. Genau diese Show durfte ich zusammen mit meiner Gastfamilie anschauen . Es war ein schöner Abend und jedem Besucher unserer Partnerstadt kann ich den Besuch der Show nur empfehlen.
Von den ersten Tagen des neuen Jahres, als ich mit meinen Gedanken noch fast in Magdeburg war, möchte ich noch berichten, dass auch hier mal ca. 1 cm Schnee gefallen war. Ich musste viel schmunzeln, als ich das Treiben vor Ort beobachtete. Die Menschen sind auf die Strasse gelaufen, haben Fotos vom Schnee gemacht, der Straßenverkehr hat teilweise chaotische Züge angenommen und am Tag darauf, als der Schnee bereits wieder geschmolzen war, gab es für die Schulen schneefrei.
Am nächsten Wochenende habe ich dann aber doch Gelegenheit richtigen amerikanischen Schnee kennen zu lernen, wenn es heißt: Auf nach North Carolina, mit der Studentengemeinde der Vanderbilt University für 2 Tage in den Wintersport.
Meine Schwester mailte mir gerade, dass die Volkstimme in den letzten Tagen auf die Vergabe der Zivildienststelle im Martha O’Bryan Center durch das Deutsch-Amerikanische Dialogzentrum für das kommende Jahr hinwies. Dazu möchte ich ermunternd sagen, dass unsere Partnerstadt, ihre Bewohner und vor allem die Kinder des Martha O’Bryan Center meinen Nachfolger mit Sicherheit nicht enttäuschen werden. Doch zunächst, sehr geehrter Herr Dr. Küster, liebe Mitarbeiter des Dialoggzentrums: Nicht so schnell! In den nächsten Wochen und Monaten möchte ich hier noch arbeiten und unterstützen, Menschen kennen lernen, Freundschaften gründen. Und soweit es möglich ist, werde ich Sie, liebe Volksstimme-Leser, daran teilhaben lassen.
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Veröffentlicht:
21. Februar 2006
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