Sister Cities News
5. Bericht von Beate Hörning
Inzwischen konnte ich einiges zur Geschichte des Oeffentlichen Personennahverkehrs in Nashville herausfinden. Diese begann eigentlich aehnlich wie in Magdeburg, allerdigs nicht mit einer Pferde- sondern mit einer von Mauleseln gezogenen Strassenbahn. Und dies sogar schon ziemlich frueh – 1866.
Bereits 1890 konnten dann die United Electric Railway Company das Netz der Bahn uebernehmen und die Maulesel in Rente schicken. Von den Nashviller Buergern wurde dies sehr gut angenommen. Einer von vielen Gruenden war, dass der Fahrpreis gesenkt werden konnte. Ein weiterer war, dass die gute und nun schnellere Verbindung in die Innenstadt, in der sich damals noch die meisten der Arbeitsplaetze befanden, es vielen Familien erlaubte, in entfernter liegende Aussenbezirke umzusiedeln. Dies hatte wiederum eine Erweiterung des Strassenbahnnnetzes zur Folge u.s.w. In den absoluten Spitzenjahren nach der Jahrhundertwende gab es bis zu 100.000 Fahrgaeste pro Tag – dies bei einer Einwohnerzahl von ca. 110 000.
Doch bereits ab dem 2. Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts kam eine ernstzunehmende Konkurrenz hinzu: den Autobus fuer die noch Eiligeren und das Automobil fuer die, die es darueber hinaus noch individueller moegen. Ich habe dazu ein Zitat gefunden: “Wenn man 1912 eine Verabredung mit einer jungen Dame hatte, benutzte man die Strassenbahn. Doch bereits 1915 tat man das, wenn irgend moeglich, nicht mehr. Man fuehrte die Angebetete im Automobil aus.”
Auf einem historischen Foto, allerdings viel spaeter – in den Fuenfziger Jahren – ist eine im PKW-Stau erstickende City zu sehen, wie ich es mir in Magdeburg erst nach 1990 vorstellen kann. Es musste Raum fuer Parkplaetze geschaffen werden. So wurden viele sehr schoene, und das Flair einer Innenstadt ausmachende Gebaeude diesem wachsenden Bedarf geopfert.
Bereits 1941 hatte zuvor die “Elektrische” ausgedient – hat aber, so ist immer wieder zu lesen, in ihrer ueber 70-jaehrigen erfolgreiche Geschichte und Vorgeschichte einen ganz entscheidenden Beitrag zuer oekonomischen Entwicklung Nashvilles geleistet.
Allerdings hat sich in den Jahren darauf der vermeintlich Vorteil der Busse – naemlich schneller als die Strassenbahn zu sein – in’s Gegenteil verkehrt.
Auch sie stecken nun mit im Stau. So sagen sich viele Menschen hier, dass wenn sie ohnenhin nicht um den Stau herum kommen – dann doch lieber gleich bequemer mit dem eigenen Auto zu fahren. Benzin ist schliesslich billig hier.
So werden die Busse immer leerer und muessen immer seltener fahren, um noch oekonomisch zu sein. Was sie widerum noch unattraktiver macht. So gibt es, wenn auch um Jahrzehnte verschoben, Paralleelen zur gegenwaertigen Entwicklung in Magdeburg.
Eine Renaissance erleben die noch erhaltenen Streetcar- oder Trolleywagen (so werden die Strassebahnen hier genannt) – allerdings nun auf Busraedern und ohne Schienen – als Sight-Seeing-Vehikel fuer Touristen.
Beim naechste Mal mehr ueber meine Erfahrungen als Bus-Fahrgast hier, die durchaus auch positiv sind.
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Veröffentlicht:
04. Oktober 2004
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