Sister Cities News
4. Bericht von Victoria Weimann
Es ist Mitte Februar, auch der „Valentine’s Day“ ist vorüber, und für mich ist schon mehr als die Hälfte meiner Zeit hier in Nashville vorgangen. In weniger als vier Monaten werde ich schon wieder in Deutschland sein, was ich mir zur Zeit noch gar nicht richtig vorstellen kann.
Trotz all der eifrigen Beteuerungen der Südstaatler, dass es in Nashville kaum schneit, lebe ich seit mittlerweile mehr als drei Wochen mit Minusgraden und gelegentlichem Schnee, der die Verkehrsverhältnisse des Öfteren beträchtlich beeinflusst. Das letzte Mal sind hier vor zehn Jahren soviele weiße Flocken vom Himmel gefallen und so trifft das Wort „Winter“ die Bevölkerung in gänzlich unerwartetem Ausmaß. Sogar Supermärkte und Restaurants mussten teilweise schließen, da fünfzehn Zentimeter Schnee einfach zu viel für den Räumdienst waren. Mich hat das Weiß dazu inspiriert ein wenig deutsche Erfahrung in den Alltag meiner Gastfamilie zu bringen und für meine kleine Gastschwester einen Schneemann zu bauen.
Im letzten Bericht hatte ich bereits von den geplanten Vormittagen mit einem kleinen Jungen, der Deutsch lernen soll, erzählt. Ich habe nun bereits erste Zeit mit Daniel verbracht. Sein Vater ist auch dabei, er möchte nach 5 Jahren Schuldeutsch seine sprachlichen Fähigkeiten ein wenig verbessern. Das erste Treffen war ein wenig schwierig für beide Seiten, da Daniel von der neuen Situation ziemlich überfordert zu sein schien und sich fast die ganze Zeit unter dem Tisch versteckt hielt.
Irgendwann konnte ich ihn aber doch hervorlocken und gemeinsam haben wir ein englisches Kinderbuch gelesen, zu dem ich die deutsche Übersetzung liefern konnte.
Die zweite Stunde verlief schon wesentlich besser. Wir haben zusammen mit Playmobil gespielt. Ich habe ihm versucht, die Tiere und Gegenstände auf deutsch zu erklären. Daniel versteht für sein Alter erstaunlich viel in der fremden Sprache, was sicherlich auch darauf zurückzuführen ist, dass er in den vergangenen zwei Jahren bereits an einem Projekt der Vanderbilt University teilgenommen hat, das Kindern spielerisch das Sprechen und Verstehen des Deutschen vermitteln soll.
Für mich ist es total schön, nach diesen zwei ersten Stunden schon kleine Fortschritte zu sehen. Ich selbst muss mich noch ein bisschen besser an das „Springen“ zwischen den beiden Sprachen gewöhnen.
Im „Siloam Family Health Center“, einer kirchlich- sozialen Einrichtung, arbeite ich jeden Donnerstag. Ich beschäftige mich derzeit zusammen mit meiner Chefin damit nach Restaurants in Nashville zu suchen, die zur Feier des Zentrums im April entweder Geld oder Essen spenden könnten. Dazu haben wir verschiedene Briefe losgeschickt und nun bin ich gespannt, wie viele Restaurants antworten werden und was wir mit unseren Anfragen erreichen können.
Eines meiner außerberuflichen Highlights der vergangenen Wochen stellte mein 19. Geburtstag dar, auf den ich mich- um ehrlich zu sein- im Vorfeld nur mäßig gefreut hatte. Am Morgen wurde ich von Luftballons und einem großen Kuchen in der Küche empfangen und es gab ein gemeinsames Frühstück mit der Gastfamilie.
Abends wurde ich zu italienischem Essen eingeladen und kam erstmals in den Genuss von original amerikanischen Cheesecake und Bostoner Tea Cake- beide sehr süß, aber das bin ich mittlerweile von der amerikanischen Küche gewohnt.
Später holten mich Christoph und sein deutscher Freund ab. Gemeinsam waren wir dann mit einer Freundin auf dem Vanderbilt Campus feiern.
Im Nachhinein war es ein toller Tag, den ich nicht missen möchte.
Das erste Wochenende dieses Monats habe ich mit meiner Gastfamilie in Ohio verbracht. Die Großmutter meiner Gastmutter hat ihren stolzen einhundertsten Geburtstag gefeiert. Es gab ein Dinner im kleinen Kreis der Familie in einem Country Club. Viele Familienmitglieder haben Reden über die Ereignisse und Erfindungen der letzten hundert Jahre gehalten. Ich konnte sogar eine ganze Menge dazu lernen, da die Geschichte der Vereinigten Staaten in meinem deutschen Geschichtsunterricht nur peripher behandelt wurde. Wirklich beeindruckend war auch das Gedächtnis des Geburtstagskindes, sie konnte sich noch an alles erinnern, was ich ihr während meines letzten Besuches im Oktober erzählt hatte.
Anfang März ist ein Kurztrip in die Südstaatenmetropole Atlanta geplant, worauf ich schon sehr gespannt bin!
Viele liebe Grüße aus unserer Partnerstadt,
Victoria
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Veröffentlicht:
25. Februar 2010
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