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2. Bericht von Victoria Weimann

Victoria Weimann in NashvilleNach wunderschönen Novemberwochen mit strahlendem Sonnenschein und Höchsttemperaturen von bis zu 25 Grad, kehrt jetzt langsam auch in Nashville der Winter ein.
Somit ist es an der Zeit von meinem letzten Monat zu berichten.

Noch in den Oktober- aber praktisch den November einleitend- fiel Halloween. Mein erster typisch amerikanischer Festtag begann in meiner Gastfamilie mit gemeinsamen Kürbisse aushöhlen. Da mir ein wenig die jahrelange und traditionsbedingte Erfahrung der Amerikaner fehlte, sprich ich zum ersten Mal in meinem Leben selbst einen Kürbis bearbeitete, war das Ergebnis wenig anschaulich. Umso schöner gelangen die Kunstwerke meiner beiden Gasteltern, die mir jedoch meine Anfängerfehler ohne weiteres verzeihen konnten. Den Nachmittag verbrachte ich damit meine Nachbarn kennen zu lernen, die ich in den letzten zwei Monaten immer nur von fern gegrüßt hatte. Zur so genannten „Neighbourhoodparty“ kamen alle Kinder farbenfroh und einfallsreich, jedoch nicht immer in direktem thematischen Zusammenhang mit Halloween, kostümiert. Was in Deutschland erst im Februar getragen wird, wurde hier bereits im November ausgepackt, so dass sich auch niemand ernsthaft gruseln musste. Gemeinsam und mit dem Kampfruf „trick or treat“ zog die Kinderschar nach Einbruch der Dunkelheit um die Häuser, um Süßigkeiten zu erbeuten. Ich machte mich später auf zum Haus meines Mitfreiwilligen Christoph.
Sein Wohnviertel war sogar noch aufwendiger dekoriert, als das unsere. In manchen Vorgärten wurde man sogar mit Gräbern begrüßt. Er als ältere Dame und ich als grünhaaarige Hexe verkleidet, feierten Halloween noch bis in die Nacht auf einer Party gemeinsamer Freunde.
Der 31. Oktober war für mich damit ein vom Anfang bis zum Ende gelungener Tag und ihn in seinem Ursprungsland Amerika zu erleben eine lustige und interessante Erfahrung.

So begann mein letzter Monat, in dem sich auch arbeitstechnisch einiges getan hat.
Jeden Mittwoch nach meiner Arbeit im Forschungslabor der Vanderbilt University arbeite ich zusätzlich noch für etwa zwei Stunden im Vanderbilt-Kinderkrankenhaus. Dort betreue ich den Familienraum, in dem Patienten oder Familienangehörige sich beim Fernsehen oder bei Gesellschaftsspielen entspannen und kleine Snacks zu sich nehmen können. Mein Aufgabenbereich umfasst das Nachfüllen von Snacks und Getränken, sowie die Kinderbeschäftigung und die Überwachung einer Besucherliste. Bei Fragen nach dem Weg stehe ich auch stets zur Verfügung. Ich persönlich finde, dass solch ein Familienraum eine sehr schöne und sinnvolle Sache ist, da er Raum zur Erholung, aber auch zum Gespräch der Angehörigen untereinander gibt. Großartig, wenn sich dieses Konzept auch in Deutschland durchsetzen könnte!

Mein Praktikum im Forschungszentrum der Vanderbilt University gefällt mir immer noch sehr gut. Der korrekte Gebrauch der medizinischen Fachsprache fällt mir leichter und ich habe mich langsam in die Studien, die wir durchführen, eingearbeitet. Ich werde auch von Mal zu Mal vertrauter mit meinem Kollegenkreis, der mich sehr respektvoll behandelt und immer gern bereit ist mich zu unterstützen und mir die Sachverhalte auch noch ein zweites Mal zu erläutern. Sogar mein eigener Kittel ist jetzt fertig und gibt mir noch mehr das Gefühl Bestandteil des Labors zu sein. Derzeit arbeite ich an einer Powerpointpräsentation zu den Methoden des Blutdruckmessens. Die positive Herausforderung besteht darin, dass ich alles selbst beschreiben und mit Diagrammen veranschaulichen muss. Mit Hilfe von Bildern aus dem Internet versuche ich meine Präsentation so anschaulich wie möglich zu machen.
Sehr dankbar bin ich dabei über die Hilfe von Dr. Diedrich, der mir bei Nachfragen mit Rat und Tat zur Seite steht. Mein Ziel ist es nun die Präsentation vor Weihnachten zu beenden.

Aus meinem außerarbeitlichen Leben kann ich noch berichten, dass meine Gastmutter mich Mitte des Monats mit Opernkarten für „The Fall of the House of Usher“, nach der gleichnamigen Kurzgeschichte von Edgar Ellen Poe, überraschte. Ich war sofort begeistert von der Möglichkeit eine amerikanische Opernaufführung sehen zu dürfen und so gingen wir mit einigen ihrer Mitstudenten ins Theater. Durch ihre ungewöhnliche Kürze (eineinhalb Stunden und zwei Akte) und die spezielle musikalische Gestaltung der Kompositionen von Phil Glass, rief die Oper bei meinen Begleitern eher Enttäuschung hervor, mir gefiel sie jedoch sehr gut.

Ende November stand auch schon der nächste amerikanische Feiertag vor der Tür, „Thanksgiving“.
Die fünf Tage verlängertes Wochenende verbrachte ich mit meiner Gastfamilie in Ohio, wo die Verwandten meiner Gastmutter leben. Den Thanksgivingtag verbrachten wir in Columbus bei der Mutter meiner Gastmutter. Ich hatte vorher kaum eine Vorstellung, was Thanksgiving hierzulande überhaupt bedeutet oder wie es verbracht wird. Von den meisten Amerikanern hatte ich im Vornherein die simple Erklärung bekommen, es sei wie Weihnachten, nur ohne Geschenke. Die Meisten konnten gar nicht glauben, dass der Feiertag in Deutschland gar nicht existiert. Am Donnerstag saßen wir alle zusammen und ich kam zum ersten Mal in meinem Leben in den Genuss eines traditionell amerikanischen Truthahns. Sehr lecker und meiner Meinung nach besser als deutsche Gans oder Ente, weil er weniger fettig ist. Ansonsten erinnerte mich wirklich alles sehr an Weihnachten. Wir spielten Brettspiele, gingen ins Kino und aßen uns vor allem „kugelrund“. Am Freitag waren erstaunlicherweise schon wieder alle Geschäfte geöffnet und riefen zum so genannten „Black Friday“ auf, an dem alle Artikel vergünstigt werden. Wir versuchten dann auch sogleich einige Schnäppchen zu schlagen. In Deutschland wäre so ein Tag undenkbar, direkt nach einem größeren Feiertag.
Danach schauten wir uns am Freitagabend noch Charles Dickens „A Christmas Carol“ mit meiner Gastfamilie im Theater an. Ich konnte mir vorher gar nicht vorstellen, wie sich eine szenische Umsetzung der Geschichte, die ich bisher nur als Film oder Buch kannte, gestalten würde. Doch das Stück sagte mir durchaus zu.
Das Wochenende verbrachten wir bei den Großeltern meiner Gastmutter, die beide schon stolze 99 Jahre alt sind und dafür erstaunlich fit und vital. Besonders mit der Großmutter konnte ich sehr lange und interessante Gespräche über die Geschichte der Vereinigten Staaten führen. Beeindruckend und beispielhaft war auch die Tatsache, dass das riesige Grundstück auf dem die beiden leben (mit eigenem See), von ihrem Mann selbst entworfen und gestaltet wurde.
Insgesamt war es für mich ein aufregendes und erlebnisreiches Wochenende im Kreis meiner amerikanischen Familie.

Ich fiebere nun schon ganz gespannt Weihnachten entgegen und frage mich wie viele Amerikaner ihre Häuser noch mit riesigen Lichterketten schmücken werden. Außerdem freue ich mich schon sehr auf den Besuch meiner besten Freundin aus Nicaragua, der Ende Dezember ansteht.J

Ich wünsche allen Lesern unserer Berichte eine wundervolle Weihnachtszeit!!!

Victoria

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Schlagworte:

Vanderbilt University, Victoria Weimann

Veröffentlicht:

14. Dezember 2009

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  1. [...] magdeburg-nashville.com – 2. Bericht von Victoria Weimann [...]

    Kommentar von Magdeburg - Blog - 14 Dec 2009
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