Sister Cities News
2. Bericht von Laura Vibrans
Tatsächlich ist schon ein weiterer Monat vergangen, seit ich in Nashville angekommen bin und somit ist es an der Zeit, erneut über mein Leben hier zu berichten.
Allgemein hat sich die Stimmung in Nashville innerhalb der letzten Wochen wetterbedingt sehr geändert. Es ist regnerisch und kalt in Nashville. Ungewohnt kalt für diese Jahreszeit, wie mir immer wieder von den Menschen bestätigt wird. Leider traf mich die Kälte etwas unerwartet, denn in Magdeburg schwärmte man immer von Nashvilles unheimlich warmen Herbsttemperaturen, weshalb ich kleidungstechnisch jetzt nicht gerade ideal ausgestattet bin. Die Menschen hier mögen den Herbst. Nach den vielen schwülen Sommertagen, war er auch lang ersehnt. Und so genießt man nun die Kälte, trotz des dauerhaften Regens und beobachtet mit Begeisterung die Veränderungen in der Natur.
Die letzten 4 Wochen vergingen sehr schnell, denn es ist viel passiert in dieser Zeit. Gleich am Anfang gab es ein offizielles Treffen der Organisation “Sister Cities of Nashville“, an dem ich teilgenommen habe. Dort traf ich wieder sehr viele Menschen mit deutschen Wurzeln, was mich immer wieder fasziniert. Die Meisten dieser Menschen sind während oder kurz nach dem Krieg in Deutschland geboren oder haben zu dieser Zeit einen amerikanischen Soldaten geheiratet, dem sie dann nach dem Krieg gefolgt sind. Immer wieder bestätigen mir Begegnungen dieser Art, wie sehr man doch durch die eigene Kultur geprägt ist und, dass man diese, trotzdem man in einem anderen Land lebt, nie vergessen wird.
Es war sehr spannend, dort mal wieder Deutsch zu sprechen und sich auszutauschen. Bei solchen Gelegenheiten kann man dann zum Beispiel erfahren, wo man denn das beste bzw. deutschähnlichste Schwarzbrot findet.
Eine weitere, interessante Begegnung der etwas anderen Art hatte ich einige Tage später im Haus der Familie Allen. Victoria Weimann, eine weitere Schülerin aus Magdeburg und ich trafen uns dort, um gemeinsam zu backen. Wir hatten also den Schlüssel zum Haus, denn die Allens waren zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause. Leider hatten sie uns nicht darüber informiert, dass sie eine Alarmanlage besitzen. Etwas zu spät, erfuhren wir dies dann beim Betreten des Hauses, durch das Ertönen des Alarmtones. Nach dem ersten Schock und einem Telefonat mit den Allens, konnten wir den Alarm abstellen. Wir machten uns also an die Arbeit .
Nach kurzer Zeit klopfte es an der Tür und 2 Polizisten standen dort mit ernster Miene und fragten uns, was zum Teufel wir getan hätten. Nachdem wir uns vom ersten Schock wieder erholt hatten, erklärten wir Ihnen die Situation und glücklicherweise erwiesen sich die sonst für ihre Strenge bekannten, amerikanischen Polizisten als humorvoll. Sie lachten also darüber und wünschten uns noch viel Spaß beim backen.
Meine Arbeit bei Preston Taylor Ministries macht mir sehr viel Spaß und ich fühle mich immer wohler in der Position als Lehrerin. Vor allem das Unterrichten im kreativen Schreiben ist immer sehr interessant und ermöglicht einen Einblick in die Seelen der Kinder. Es sagt viel über diese Kinder aus, wenn sie beispielsweise in einem Brief an Gott alle um Vergebung für das Schlagen ihrer Geschwister bitten möchten. Es macht mich dann immer froh, dass sie in Preston Taylor Ministries einen Platz haben, an dem sie solche Dinge aussprechen und so auch teilweise verarbeiten können.
Die Kinder kennen mich inzwischen sehr viel besser und das Vertrauen zu mir, was für sie alle sehr wichtig ist, wächst beständig. Das erleichtert die Arbeit ungemein.
Eine weitere, sehr interessante Erfahrung war ein Tag, den ich komplett an der Hume Fogg Magnet High School in Downtown Nashville verbracht habe. Hier habe ich am Unterricht in den Fächern Ökonomie, Mathe, Geschichte, Deutsch und englische Literatur teilgenommen.
Besonders interessant war der Geschichtsunterricht, denn dort musste ich viele Fragen der Schüler über Deutschland und die Einstellung der Deutschen zur Deutschen Geschichte und speziell dem 2. Weltkrieg , beantworten. Außerdem war der Deutschunterricht sehr interessant. Es wurde über die Musik der Neuen Deutschen Welle und angesichts des bevorstehenden Oktoberfestes, über diese deutsche Tradition gesprochen.
Das Oktoberfest ist tatsächlich auch hier in Nashville eine Art Tradition. Jedes Jahr, wird im sogenannten Germantown, einem Stadtteil Nashvilles, das Oktoberfest gefeiert. Es gibt also Bratwurst, Sauerkraut und jede Menge Bier. Bei dieser Gelegenheit präsentierte sich auch Sister Cities mit einem eigenen Stand. Außerdem wurde am selben Tag der Morgan Park eingeweiht, durch den ab sofort der Magdeburg Greenway führt. Auf dieser Veranstaltung traf ich auf die Vertreter des Magdeburger Puppentheaters, die am selben Tag noch eine Vorstellung in der Bibliothek hatten. Die Vorstellung hat mir sehr gefallen, auch wenn es etwas absurd war, das Magdeburger Puppentheater in Nashville in englischer Sprache zu sehen. Doch es hat mich sehr glücklich gemacht, mal wieder etwas deutsche Kultur zu erleben.
Deutschland ist hier tatsächlich, absurderweise ständig gegenwärtig. So war vor kurzem der Künstler Oliver Herring an der Vanderbilt Universität und hat dort eine seiner berühmten TASK-Partys veranstaltet, an der ich teilgenommen habe. Oliver Herring stammt aus Heidelberg und lebt jetzt aber schon seit ca. 18 Jahren in New York, wo er mit seiner Kunst sehr erfolgreich ist.
Eine TASK- Party ist im Grunde eine Improvisationsveranstaltung, die durch eine sehr einfache Struktur aufgebaut ist. Es gibt einen zur Verfügung gestellten Raum, die verschiedensten Requisiten und Materialen und bereitwillige Menschen, die den 2 Regeln der Veranstaltung folgen.
Zum einen, muss man sich einen sogenannten Task( also eine Aufgabe) ausdenken, diese aufschreiben, und zum anderen selbst einen Aufgabe ziehen und diese dann interpretieren. Dabei gibt es keine Vorschriften oder Grenzen. Diese 2 Regeln werden dann einfach immer wiederholt, bis man die Veranstaltung verlässt.
Beispiele sind Tasks wie: „Suche einen Fremden. Folge ihm für 15 Minuten, ohne etwas zu sagen.“, „ Was wolltest du als Kind werden, wenn du groß bist? Sei es!“ oder auch: „Mache aus einem Menschen mit langen Haaren einen Roboter.“
Für die Personen ergeben sich so fast unbegrenzte Möglichkeiten der Interaktion miteinander und ihrer Umgebung.
Oliver Herring hat diese unglaublich lustige und einmalige Art von Kunst schon in den verschiedensten Städten Amerikas ausgeführt und es war sehr spannend, sich mit ihm zu unterhalten und mehr über das Leben eines deutschen Künstlers in Amerika zu erfahren.
In den nächsten Wochen stehen hier nun Halloween und Thanksgiving vor der Tür, was für die Amerikaner eine große Bedeutung hat. Ich werde Thanksgiving in Florida verbringen, worauf ich mich schon sehr, nicht zuletzt wegen der warmen Temperaturen, freue.
Liebe Grüße aus Nashville
Laura Vibrans
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Veröffentlicht:
03. November 2009
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