Sister Cities News
2. Bericht von Christoph Pross
Meine Zeit in Nashville vergeht wie im Flug. Manchmal habe ich Probleme mitzuhalten, doch irgendwie schaffe ich es doch. Mein neues Heim habe ich im Haus der Familie Allen, in dem ich seit einem Monat wohne, gefunden. Die Allens sind sehr nett und ich fühle mich dort sehr wohl. Sie haben drei Kinder und wohnen etwas mehr in der Stadt. So haben sich manche Beobachtungen aus meiner ersten Zeit in einem Randbezirk relativiert. Es gibt doch Wohngegenden mit Fußweg und es gibt auch Menschen, die wegen der hohen Spritpreise zum Fahrrad greifen, wie z.B. meine Gasteltern.
An einem meiner dienstfreien Freitage hat mich mein Gastbruder Newton in seine Schule eingeladen. So konnte ich den Unterricht in einer privaten amerikanischen High School verfolgen, der University School of Nashville. Die Lernbedingungen waren wie zu erwarten hervorragend und die Atmosphäre war sehr angenehm. (kleine Klassen mit 10 bis 15 Schülern, freundliche Lehrer und Schüler, keine Schuluniformen) Ich hoffe auch noch eine öffentliche High School besuchen zu können. Gern möchte ich mir ein umfassendes Bild vom amerikanischen Schulsystem machen.
Im Martha O´ Bryan Center haben die Kinder und ich uns langsam aufeinander eingestellt. Ich lerne die besonderen Wünsche und Eigenheiten der Kinder und Jugendlichen kennen und sie wissen, dass sie ihre Fragen manchmal zwei- oder auch dreimal stellen müssen. Ich versuche den Kindern und Jugendlichen Fußball näher zu bringen und sie versuchen mich für Basketball und Football zu begeistern, was uns allen sehr viel Spaß bereitet. In diesem Monat haben wir mit allen Martha O´ Bryan Sprösslingen Community Service Projekte durchgeführt. Zum Beispiel haben wir an einem Nachmittag in einer karitativen Einrichtung geholfen, Kleidung zu sortieren. Anfangs waren die Kinder hauptsächlich damit beschäftigt, Kleidungsstücke für sich und ihre Eltern auszusuchen. Doch als ich es dann geschafft hatte, ihnen zu erklären, dass sie gemeinnützige Arbeit leisten und nicht auf einem Shoppingtrip sind, haben wir gemeinsam und mit viel Spaß die Arbeit erledigt.
Am 30. September war es endlich so weit. „Das Treffen-The Other Side”, das weltweit einzigartige multimediale Theaterprojekt zwischen meinen Heimatstädten Nashville und Magdeburg hatte Premiere und ich konnte meine Familie und Freunde live und in Farbe sehen und ihnen zu winken. Ich wurde extra auf einen besonderen Platz gesetzt, damit mich meine Leute in Magdeburg auch sehen konnten. Für mich war dieser Abend wahrscheinlich mehr wert als für viele andere.
Am darauf folgenden Wochenende hieß es nur noch: Weißbier, Bratwurst und bayerische Volkslieder auf dem Oktoberfest in Nashvilles Germantown. Ich war am Sister Cities Stand eingeteilt und habe interessierten Nashvillians über meine tolle Heimatstadt berichten können. Doug Berry, Präsident von Sister Cities of Nashville und beinahe Magdeburger des Jahres meinte dazu: „Das diesjährige Oktoberfest war wieder gezeichnet von einem sehr gut besuchten Bierzelt, Buden, wo man deutsche und amerikanische Spezialitäten kaufen konnte, einer Blaskapelle, die deutsche Musik spielte und vielem mehr. Die Sister Cities Bude war ein beliebter Treffpunkt während des gesamten Germantown Oktoberfestes in Nashville. Christoph Pross, Austauschschüler Vincent Weimann, und mehrere Sister Cities Mitglieder haben gute Werbung für Magdeburg und unsere Partnerschaft geleistet.”
Das Oktoberfest war ein multikulturelles Ereignis, welches sich in einem Satz zusammen fassen lässt. Ein Amerikaner in bayrischen Trachten erklärt einem Inder mit einem Weißbier in der Hand etwas über Nashvilles französische Partnerstadt.
Ein weitere interessante Gelegenheit hat sich für mich in den vergangenen zwei Wochen ergeben. Ich werde Teil eines Teams der presbyterianischen Kirche von Nashville sein, dass Ende Oktober an die Golfküste nach Mississippi fahren wird und dort für 4 bis 5 Tage Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten leisten wird. Was genau unser Aufgabenfeld sein wird, wissen wir noch nicht, weil es sich täglich ändern kann. Wohnen werden wir in einer Zeltstadt mit anderen Freiwilligen zusammen. Ich bin gespannt auf diese Aufgabe und froh den Menschen, die schwer durch Hurrikane Katrina getroffen wurden, helfen zu können.
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Veröffentlicht:
23. November 2005
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