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1. Bericht von Jonas Tonn

Jonas Tonn in NashvilleHello from Nashville!

Ich bin Jonas Tonn, 18 alt und frischgebackener Abiturient vom Norbertusgymnasium in Magdeburg. Vor genau 3 Wochen habe ich die Chance ergriffen und meinen Zivildienst in Nashville, Magdeburgs US-Amerikanischer Partnerstadt begonnen. Ich bin nun schon der fünfte Dienstleistende aus Magdeburg, der seinen Zivildienst(“Anderen Dienst im Ausland”) für 11 Monate im Martha O’ Bryan Center ableisten darf. Das Martha O’ Bryan Center ist eine karikative Einrichtung im Osten der Stadt, das den Menschen in den umliegenden “Projects” als Anlaufpunkt für sämtliche Probleme im Alltagsleben dient. So werden Kinder vom Baby bis zum Highschoolalter betreut, Essen wird ausgefahren oder in der Food Bank bereitgestellt und nebenall diesen Angeboten bietet es den Bewohnern aus East Nashville vor allem Sicherheit, in einem Stadtteil mit einer überdurchschnittlich hohen Kriminalitätsrate.

Der von vielen Leuten prophezeite Kulturschock traf mich bei meiner Ankunft am Flughafen in Nashville nicht ganz so hart, da ich gleich mit einem herzlichen

“Hallo wie gehts?” von Burkley Allen, ihrer Familie und Doug Berry begrüsst wurde.

Da sich vor meiner Ankunft noch keine permanente Gastfamilie gefunden hatte, verbrachte ich die erste Woche im Haus der Familie Allen, die schon vorher viele Erfahrungen mit Austauschschülern gemacht haben(Christoph der Dienstleistende 2005/2006 in Nashville wohnte schon bei den Allens) und auch dementsprechend “professionell” und liebreizend mit mir umgehen. Der 19-jährige Sohn Burkleys, Newton, nahm mich dann in den ersten Tagen an die Hand, zeigte mir Nashville und Umgebung, unternahm Ausflüge mit mir, stellte mich seinen Freunden vor und machte mich auch mit der US-amerikanischen Esskultur vertraut, die ich dann 2 Tage nach meiner Ankunft auch live beim “Ice Cream Crankin Event” bestaunen konnte. Ich half die über 3oo selbstgemachten Eiskremsorten an 2000 Besucher zu verteilen und das alles für einen guten Zweck. Dort machte ich dann auch schon meinen ersten Bekanntschaften mit einigen Angestellten des Martha O’ Bryan Centers. Am schwierigsten war es anfangs wohl den Amerikanern die Aussprache meines Vornamens beizubringen, Versuche endeten oft in Verzweiflung oder mir wurden einfach Spitznamen gegeben. Aber auch an die klimatisierten Gebäude musste man sich ersteinmal gewöhnen, was gerade im schwühlen Nashville sehr schwierig war. Die erste Woche im Martha O’ Bryan Center war noch etwas unkontrolliert und chaotisch für mich, da die Kinder noch Ferien hatten und mir oft die Beschäftigung fehlte. Was ich in der ersten Woche noch an Arbeit vermisste, kam dann in der 2. Woche gleich doppelt auf mich zu. Ich half Essen auszufahren, arbeitete in der Food Bank und betreute im Afterschooprogramm die Kinder der Grundschule. Viele der Kinder sprachen mich auf meine Vorgänger an. Einige hielten mich für den Bruder von Max, andere nannten mich Mr. Johannes, wiederrum andere schienen fasziniert von meinen Haaren und wollten garnicht mehr aufhören sie zu streicheln. Am Anfang war es natürlich oft gar nicht so einfach den Kinder auf Englisch zu sagen was sie zu tun und zu lassen haben und so war meine Aussprache von einigen Wörtern immer wieder für einen Lacher gut. Die Kinder gewöhnten sich jedoch sehr schnell an mich und so durfte mein Rücken schon in den ersten Tagen für etliche “Bag Ridings” herhalten. Dementsprechend locker und vertraut ist der Umgang mit den Kindern jetzt auch, die Namen sitzen auch schon langsam und viele Kids wollen oft gar nicht mehr aufhören mit mir Fussball zu spielen.

Jonas Tonn - Bob Bogen

Sehr interessant für mich ist der extreme Gegensatz zwischen meinem Wohn- und Arbeitsplatz. Wenn man bedenkt, dass Al Gore ein paar Häuser weiter wohnt, Cadillacs und Porsches in meinem Wohnviertel vor den Häusern stehen und ich im Martha O’ Bryan Center Essen an einen blinden und verwitweten Mann ausfahre, der froh ist wenn er einmal am Tag mit einer Person sprechen kann und für den das Essen wohl die einzige Mahlzeit am Tag ist. Nie hätte ich gedacht, dass in einem Land wie den USA, das als eines der wohlhabensten Länder der Welt bekannt ist, man in manchen Gegenden mit soviel Armut, Kriminalität und Hunger konfrontiert wird. Gerade in der Food Bank haben die Leute oft so existenzielle Wünsche. Viele wollen nur eine Flasche Milch für das Baby oder eine Packung Reis für das Mittagessen. Gerade in solchen Momenten wird mir klar wie wichtig doch soziale Arbeit in den Projects und die Hilfe von Freiwilligen ist. Auf der anderen Seite bin ich auf oft von der Großzügigkeit und Bereitschaft der Amerikaner für karikative Hilfe beeindruckt, so überhäufte uns letzte Woche eine Lady mit einer Essensspende für die Food Bank, sodass ich Mühe hatte, die Klappe des Tiefkühlers zu schliessen. Eine Einstellung, an der sich meiner Meinung nach viele Deutsche mal ein Beispiel nehmen können.

Apropos Deutschland. Ich war sehr überrascht wie viel Deutschland man in Nashville, tausend Kilometer entfernt von der Heimat, finden kann. So gibt es das Stadtviertel “German Town” in North-Nashville, das Gerst-Haus, ein Deutsch-Amerikanisches Restaurant, nicht weit entfernt vom Martha O’ Bryan Center und erstaunlich viele Leute mit denen ich Deutsch sprechen kann. So war ich in den ersten Tagen der Deutsch Lehrer für Burkleys Sohn Newton, der Deutsch-Unterricht im College hat, und Newton im Gegenzug das lebendige Wörterbuch für mich wenn ich Fragen zwecks Englischen Vokabeln hatte. Auch Burkley war ein idealer Gesprächspartner wenn es um deutsches Essen und deutsche Sitten ging, schliesslich studierte sie ein Jahr in Heidelberg. Ich könnte etlich weitere deutsche Bekanntschaften aufzählen die ich in meinen ersten Wochen kennengelernt habe(ganz zu schweigen vom deutschen Stammtisch und von einigen German Clubs die hier in Nashville jede Woche stattfinden). Am Faszinierensten für mich war jedoch eine Bekanntschaft die ich auf Arbeit beim Essen ausfahren machte. Ich lernte eine 91-jährige Dame und ihren 95-jährigen Ehemann kennen, die 1951 nach dem 2. Weltkrieg von Deutschland in die USA emigrierten. Ich konnte es kaum glauben, als ich anfing mit Frau Beyer auf Deutsch ein Gespräch anzufangen und sie mir im Ruhrpottdialekt antwortete. Trotz ihres hohen Alters war sie noch fähig mir eine Stunde lang ihre Geschichte zu erzählen, sie schwärmte von ihrem Ausflug nach Magdeburg vor dem Krieg und das Mitten in East-Nashville! Jede Woche ist voll von diesen neuen Erfahrungen und interessanten Bekanntschaften, weshalb ich schon jetzt sagen kann, dass ich nicht bereue als Freiwilliger meine Arbeit im Marth O’ Bryan Center angefangen zu haben.

Doch nicht nur die Arbeit im Martha O’ Bryan Center hielt mich auf Trab, knapp 2 Wochen nach meiner Ankunft durfte ich schon wieder meine Koffer packen, da sich Family Key, die alte Gastfamilie meines Vorgängers Max Berrens, bereiterklärte mich für das Jahr aufzunehmen. Ich wurde gleich mit auf einen Wochenendtrip an einem See in der Nähe von Nashville genommen, wo wir mit einigen anderen Leuten zelteten.

Dementsprechend leicht viel mir auch das Eingewöhnen in das Familienleben der Keys. Nun bin ich schon über eine Woche hier und es kommt mir schon vor wie ein ganzer Monat. Schnell nahm auch einer der “Urväter” der Städtepartnerschaft Bob Bogen, der selber ein Jahr in Magdeburg lebte, Kontakt zu mir auf. Schon in der 2. Woche vereinbarte er einen Termin mit dem “Director of Public Schools of Nashville”, eine Woche später stellte er mir den “Director of School Sports of Nashville” vor. So kann ich sagen, dass ich schon nach kurzer Zeit mehr oder weniger berühmte Leute getroffen habe und mir auch wertvolle Tipps gegeben wurden. Mir wurde sogar angeboten am Wochenende als Fussball-Trainer hier in Nashville auszuhelfen, schliesslich gibt es nicht viele junge Leute in Nashville, die 12 Jahre lang Fussball in einem deutschen Verein gespielt haben. Bob war von Anfang an immer sehr offen, gab mir seine Telefonnummer und versprach mir mein privater Tourist-Guide für das Jahr in Nashville zu sein.

Unglaublich wie unkompliziert und offen der Kontakt mit Freunden der Städtepartnerschaft hier abläuft, aber das ist wohl typical American.

In diesem Sinne hoffe ich auf weitere amerikanische Erfahrungen in unser wunderschönen Partnerstadt Nashville/Tennessee.

An dieser Stelle möchte ich noch einigen Leuten danken. Zunächst natürlich dem Deutsch-Amerikanischen Dialogzentrum um Dr. Küster und Georg, die mir diese tolle Erfahrung hier ermöglichen. Burkley Allen und ihrer Familie, die sich in den ersten Tagen herzlich um mich gekümmert haben und mir den Einstieg für mein Jahr in Nashville um einiges leichter gemacht haben. Ausserdem lieben Dank an Bob Bogen für seine Bemühungen. Und zu guter letzt grossen Dank an Wade, der nicht nur das Auto für mich startklar machte, sondern sich auch um die Autoversicherung kümmerte, mir sogar ein Handy besorgte und immer für mich erreichbar wenn ich Fragen und Probleme haben.

Thank you all and Howdie from Nashville!

Jonas

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Jonas Tonn in Nashville
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Jonas Tonn in der Südstaatenmetropole Atlanta
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Schlagworte:

Jonas Tonn, Martha O’Bryan Center

Veröffentlicht:

21. August 2008

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