Sister Cities News
1. Bericht von Christoph Pross
Das Abenteuer „Anderer Dienst im Ausland“ in unserer amerikanischen Partnerstadt Nashville hat begonnen.
Mein Name ist Christoph Pross, ich bin ein neunzehn jähriger Zivildienstleistender aus dem schönen Magdeburg, der die Möglichkeit bekommen hat, seinen Zivildienst (Anderer Dienst im Ausland) in unserer Partnerstadt Nashville, Music City USA, im Herzen der USA abzuleisten.
Ich bin nun schon seit knapp einem Monat in den USA und habe mich gut einleben können. Ich wurde hier mit offenen Armen empfangen und die Menschen, insbesondere die Verantwortlichen von Sisters Cities of Nashville, haben mir den Start sehr erleichtert. Sisters Cities ist die Organisation der Städtepartnerschaft hier in Nashville. Als ich Anfang August aus dem Flieger gestiegen bin, hat mich die Kombination aus 40° Celsius und sehr hoher Luftfeuchtigkeit hart getroffen. Doch zum Glück haben mir Doug Berry, Präsident von Sisters Cities, und Bob Bogen, Botschafter für Magdeburg, mein Gepäck, was wirklich nicht wenig war, abgenommen und mich sofort in einen klimatisierten amerikanischen Strassenkreuzer gesetzt. Wir fuhren gemeinsam zum Haus von Bob Bogen und seiner Frau Mary. Sie sind meine Gasteltern in den ersten Wochen. Sie sind unglaublich nette Menschen und gute Englischlehrer. Bob Bogen war mehrere Monate in Magdeburg und lernte dort in seinem hohen Alter (78 Jahre) Deutsch, was mich sehr beeindruckt hat. Wir kannten uns bereits aus Magdeburg.
Noch am Ankunftsabend wurde ich von der Familie Larson aus Wisconsin, zehn Autostunden entfernt von Nashville, zum Essen eingeladen. (Die Entfernungen werden hier üblicherweise in Stunden und nicht etwa in Meilen angegeben.) Ihre Tochter Erica verbringt ein Jahr als Austauschschülerin in Magdeburg. Sie wohnt bei meiner Familie und besucht das Ökumenische Domgymnasium. Zu meiner großen Freunde haben sie mir Erica´s Auto nach Nashville gebracht, einen gelben VW Beatle, und mir für meine Zeit in Nashville zur Verfügung gestellt. Was für ein Glück! Denn ohne Auto geht hier gar nichts!
Die ersten Tage in Nashville waren sehr spannend und anstrengend. Unterschiede sind mir auch gleich aufgefallen. Viele kannte ich schon, doch sie zu erleben ist etwas ganz anderes. Es ist alles VIEL größer. Die Fahrbahn ist fast doppelt so breit. Die Autos auf ihnen sind länger, breiter und höher. Sie verbrauchen ein Vielfaches an Benzin, was gerade jetzt durch die stark angestiegenen Energiepreise für viele Amerikaner zum Problem wird. (Die Preise sind noch deutlich unter dem europäischen Niveau) Grundstücke und vor allem die darauf stehenden Häuser sind, in der Regel um mehr als die Hälfte größer. Es ist gibt so gut wie keine Fußgänger und Fahrradfahrer. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen.
Am Montag nach meiner Ankunft habe ich auch gleich mein neues Aufgabenfeld im Martha O´Bryan Center kennen gelernt. Das Martha O´Bryan Center ist eine karitative Einrichtung in einer der kinderreichsten und zugleich ärmsten Gegend von Nashville. Ich arbeite dort im Youth Development Department und kümmere mich um Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 17 Jahren. Das Martha O´Bryan Center wird zu 99,9 Prozent von African-Americans besucht. Für mich war das natürlich Anfangs etwas ungewohnt, doch ich habe recht schnell einen sehr guten Draht zu den Kindern und Jugendlichen entwickeln können ( siehe Foto). Zugleich werde ich aber auch als Respektperson anerkannt, sie nennen mich Mr. Chris. Kleine Schwierigkeiten bereitet mir noch das Englisch der Kids, es hat nur sehr entfernt Gemeinsamkeiten mit dem, was ich in der Schule gelernt habe. Diese Hürde werde ich auch hinter mich bringen.
Gorden Niemann, mein Vorgänger im Martha O´Bryan Center, ist den Kindern auch noch sehr gut bekannt. Eine häufige Frage begegnet mir immer wieder: Bist du der Bruder von Mr. Gordon? Gordon hat hier sehr gute Pionierarbeit geleistet. Er hat mir mit seinen Tipps, die er mir nach seiner Rückkehr mit auf den Weg gegeben hat, sehr geholfen.
Die Mitarbeiter im Martha O´Bryan Center unterstützen mich vielfältig und erleichtern mir die Eingewöhnung sehr. Ich habe in Ihnen jetzt schon Freunde gefunden. Ich bin froh zu wissen, dass ich hier gebraucht werde und dass meine Arbeit eine sehr wertvolle Hilfe ist. Es ist wirklich kaum vorstellbar mit welchen Problemen die Kids in ihrem Alltag zu kämpfen haben, Hunger, Gewalt und immensen schulischen Wissenslücken.
Ich denke natürlich oft an zu Hause, an Magdeburg und versuche mir vorzustellen was wohl gerade meine Familie und meine Freunde machen. Der Zeitunterschied, der sieben Stunden beträgt, ist sehr gewöhnungsbedürftig. Wenn ich jemanden in Magdeburg anrufen möchte, muss ich immer erst bedenken: Störe ich jetzt im Schlaf, in der Schule oder während der Arbeit?
Ich bin mir sicher, dass das Jahr in Nashville für meine Entwicklung sehr wichtig ist. Mein Aufenthalt wird mir viele Eindrücke und Erfahrungen vermitteln. Diese Möglichkeit des „Anderen Dienstes im Ausland“ wurde durch das Deutsch-Amerikanische Dialogzentrum und den Vorsitzenden Dr. Uwe Küster geschaffen. Herr Dr. Küster und seine Mitarbeiter haben mich aus zahlreichen Bewerbern für diesen Dienst ausgewählt und mir in den Vorbereitungen mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Auch kann ich hier persönlich erfahren, was sie für gute Arbeit in der Partnerschaftsbeziehung zwischen Nashville und Magdeburg leisten. Die Menschen hier in Nashville sind sehr beeindruckt von der Arbeit des Dialogzentrums.
Vielen Dank dem Deutsch-Amerikanischen Dialogzentrum!
Das Abenteuer USA hat für mich begonnen und viele spannende Erfahrungen und Freundschaften werden sicher folgen…
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Schlagworte:
Bob Bogen, Christoph Pross, Doug Berry, Dr. Uwe Küster, Martha O’Bryan Center
Veröffentlicht:
28. August 2005
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